Gehlen - Gladio - BND

 

Diskussionsteilnehmer:

Ich richte meine Fragen an Herrn Schmidt-Eenboom, weil ihm kein Strafverfahren droht.

Sie sprachen zwar von den Unterschieden der Geheimdienste der DDR und der BRD und nannten den faschistischen Hintergrund des Leiters der Organisation Gehlen. Ein Unterschied ist, daß Gehlen unmittelbar nach 1945 kontinuierlich weiter gearbeitet hat, d.h. es gab einen "Vorsprung" gegenüber der DDR. Er war begleitet von vielen schmutzigen - verzeihen Sie den Ausdruck - Attentaten und Sabotageakten in der DDR. Das haben Sie leider auch nicht ausgeführt.

Sie erwähnten die Organisation GLADIO: Es gab im französischen Fernsehen, was auch hier in Berlin zum Teil zu sehen war - allerdings auf Französisch, eine Dokumentation über GLADIO. Auch GLADIOS Übergang war nahtlos, und nicht nur nahtlos, sondern sogar im Krieg noch vorbereitet mit italienischen und belgischen Faschisten. Auf ihrem Konto stehen einige Morde, auf ihrem Konto stand in Italien sogar ein Putsch bei den ersten Wahlen.

Deshalb möchte ich etwas über die Sabotageakte im damals noch sowjetischen Teil Deutschlands erfahren, sowie auch über die Beteiligung des BND an dem wirklich sehr dreckigen Krieg in Indonesien, am Bürgerkrieg oder Putsch in Indonesien.

Erich Schmidt-Eenboom:

Ich habe mich zu GLADIO sehr stark verkürzen müssen. In meinem Buch über den BND befaßt sich ein ganzes Kapitel mit GLADIO . Man muß aber sagen, daß westdeutsches GLADIO nicht mit den türkischen, griechischen, italienischen Strukturen vergleichbar ist. In Italien mehrte sich die Erkenntnis darüber, daß organisiertes Verbrechen und Geheimdienste sich nicht bekämpft haben, sondern eng zu einander gehörten. Und wir wissen aus Griechenland und der Türkei, daß der politische Mord von Rechts immer im Zusammenwirken mit den Nachrichtendiensten, insbesondere mit den GLADIO-Verbänden organisiert wurde. So was gibt es für die Bundesrepublik Deutschland nicht nachzuweisen. Die GLADIO-Verbände in Westdeutschland hatten einen nachrichtendienstlichen-militärischen Auftrag. Der sah durchaus offensiv vor, im Falle einer militärischen Auseinandersetzung in die Tiefe der DDR zu gehen, dort Sabotage, Zersetzung und dergleichen zu betreiben, aber ich würde ihn nie auf eine Stufe stellen mit dem was wir in Südeuropa erlebt haben.

Es ist auch schwer, neuere faschistische Strömungen im Bundesnachrichtendienst deut-lich zu machen. Allenfalls gibt es mal Einzelsignale oder Hinweise. Z.B., daß gegen den Residenten des BND in Argentinien, Herrn Schmidt-Dankwart, Anfang der 60iger Jahre ein Disziplinarverfahren wegen rechtsradikaler Umtriebe eingeleitet wurde, oder daß der Bundesgeschäftsführer der Republikaner, Udo Bötsch, bis 1992 im BND war. Aus diesen einzelnen Signalen kann man kein geschlossenes Bild machen.

Ich habe mich mit der Frühgeschichte des BND, Sabotage in der DDR, Unterstützung von schmutzigen Operationen in der Ukraine, in Rußland nur begrenzt und an Hand der Literatur auseinandergesetzt, weil ich mich insbesondere auf die 70iger, 80iger Jahre konzentriert habe. Aber natürlich auch mit dem Fall Indonesien, und dazu von BND-Quellen gehört, daß die gute nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit Djakarta auf der Unterstützung beim Putsch gründet und daß die soweit ging, die Konzentrationslagerpläne für Indonesien in Pullach zu zeichnen.