Dr. Gerhard Niebling (16. Juli 1932 - 27.April 2003)

Einer von uns

Mit Leib und Seele Kommunist sein, heit auch in den schwierigsten Situationen Kopf hoch und nicht die Hnde, heit selbstbewusst handeln, Menschen berzeugen und mitreien, der Wahrheit und Gerechtigkeit zum Siege verhelfen! Wir werden niemals Kommunisten auer Dienst sein!" Diesem selbstgewhlten Anspruch blieb Gerhard Niebling zeitlebens treu. Am 7. Oktober 1999 fand er zusammen mit seiner Ehefrau und Kampfgefhrtin Brigitte den Weg in die Deutsche Kommunistische Partei. Ihrer beider Parteieintritt fiel keineswegs zufllig zusammen mit dem 50. Jahrestag der Grndung der DDR - wohl wissend, in unseren Reihen Gleichgesinnte und Verbndete zu finden. Gerhard zhlte zu den aktivsten und engagiertesten Genossen des DKP-Landesverbands Brandenburg und seiner Parteigruppe. Besonders verdient machte er sich mit zahlreichen Publikationen und nicht zuletzt als immer rastloses Redaktionsmitglied unserer Zeitung ;Roter Brandenburger".

Wir Brandenburger Kommunisten sind stolz auf ihn und werden sein Andenken stets bewahren.

Brigitte Mller & Michael Forbrig


Wir werden niemals Kommunisten auer Dienst sein"

Als am 21. Mai dieses Jahres auf dem Zentralfriedhof der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde ehemals leitende Angehrige des MfS des 5. Todestages des Ministers fr Staatssicherheit, Erich Mielke, gedachten, wurde ein Genosse schmerzhaft vermisst, der gewiss dabei gewesen wre - Gerhard Niebling. Zuletzt im Range eines Generalmajors gehrte er zu jener Generation von Mitarbeitern des MfS, die den Staffelstab der Aktivisten der ersten Stunde bernahm und den Schutz des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden als ihren antifaschistischen, antiimperialistischen Klassenauftrag verstand.

Am 16. Juli 1932 als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren, wurde er nach dem Abitur Kali-Bergmann. Als Zwanzigjhriger folgte er 1952 dem FDJ-Aufgebot, um die Sicherheitsorgane der jungen Republik zu strken. Er wurde Mitarbeiter des Ministeriums fr Staatssicherheit. Als Untersuchungsfhrer war er unter anderem mageblich beteiligt an der Entlarvung von Spionen und Agenten US-amerikanischer Geheimdienste und der Organisation Gehlen", aus der 1956 der Bundesnachrichtendienst der BRD hervorging. Auf Grund seiner kompetenten Arbeit wurde Gensse Niebling mit leitenden Funktionen in der Untersuchungsarbeit betraut.

Nach der militrischen Sicherung der Staatsgrenze der DDR gegenber der BRD und Westberlins entwickelte er sich zu einem Spezialisten auf dem Gebiet der Bekmpfung krimineller Menschenhndlerbanden, terroristischer und anderer schwerer Angriffe gegen die Staatsgrenze der DDR und in verbndeten sozialistischen Staaten. 1983 mit der Leitung der Zentralen Koordinierungsgruppe (ZKG) im MfS zur vorbeugenden Verhinderung und Bekmpfung ungesetzlicher Grenzbertritte sowie des kriminellen Menschenhandels beauftragt, entwickelte sich die ZKG unter seiner Leitung zu einer erfolgreichen Diensteinheit, die besonders eng mit dem Ministerium des Innern, der Deutschen Volkspolizei, der Zollverwaltung der DDR und den anderen Schutz-und Sicherheitsorganen zusammenwirkte. In seinem 80seitigen Beitrag im zweibndigen Sachbuch Die Sicherheit. Zur Abwehrarbeit des MfS" hat Gerhard Niebling ausfhrlich darber berichtet.

Hohe Anforderungen stellte er an sich selbst, an seine eigene Qualifizierung, an sein charakterliches, fachliches und wissenschaftliches Profil als anerkannte Leiterpersnlichkeit. Gerhard Niebling war ein berzeugter Internationalist. Im Rahmen seiner Verantwortung trug er dazu bei, die Zusammenarbeit von Sicherheitsorganen verbndeter sozialistischer Staaten zu erweitern und zu festigen. Tiefe Einblicke hatte er sich erarbeitet in die Politik des verdeckten Krieges imperialistischer Staaten gegen die Sowjetunion, die DDR und die anderen sozialistischen und national befreiten Staaten. In seinem Vortrag Der Imperialismus heute. Zur Strategie der verdeckten Diversion gegen die sozialistischen Staaten" auf der Konferenz der Zeitschriften Rotfuchs" und offensiv" im Oktober 2000 in Berlin-Karlshorst hat er aus seinem Erfahrungsschatz Erkenntnisse vermittelt, die mehr denn je groe Aktualitt besitzen.

Der Niedergang und der Zerfall der Sowjetunion, insbesondere der Verrat Gorbatschows an der DDR, das berstlpen der kapitalistischen Macht- und Ausbeutungsverhltnisse auf den Osten Deutschlands und die damit einhergehende Rache der einstigen und heutigen Feinde haben bei Gerhard jenen Klassenhass, jenen Zorn bestrkt, die fortan sein Nun-erst-Recht und seine Trotz-alledem-Haltung wesentlich bestimmten. Als Mitglied der Beratergruppe zur Auflsung des MfS/AfNS waren seine Anstrengungen darauf gerichtet, insbesondere die Kundschafter und Inoffiziellen Mitarbeiter vor der Rache des einstigen Gegners zu bewahren und den Missbrauch der Archive und Akten des MfS zu verhindern. Seine Bemhungen liefen aber bekanntlich ins Leere. Auch dazu hat er im Sachbuch Die Sicherheit" im Band 1 unter dem Titel Eine notwendige Empfehlung zur Nachlese" offen und selbstkritisch Stellung genommen. Schtzend hat er sich vor jene gestellt, die nach der sogenannten Wende der Verfolgungs- und Ausgrenzungshysterie im besonderen Mae ausgesetzt waren - und wurde selbst Betroffener. Die gegen ihn ber Jahre inszenierten Ermittlungsverfahren durch Sonderermittlungsbehrden der BRD sowie Gerichtsverfahren, in denen ihm Verletzung der Gesetze der DDR nachgewiesen werden sollten, endeten mit Freisprchen.

Dem engagierten Handeln solcher Genossen wie Gerhard Niebling ist es zu verdanken, dass irn Mai 1993 die Gesellschaft zur rechtlichen und humanitren Untersttzung (GRH e. V.) gegrndet wurde. Sie setzt sich fr jene Brger ein, die wegen ihrer im Rahmen der Rechtsordnung der DDR ausgebten Ttigkeit Strafverfolgungen ausgesetzt waren und von der politischen Strafjustiz verurteilt wurden. Gerhard Niebling war Mitbegrnder von ISOR, jener heute fast 25000 Mitglieder zhlenden Initiativgemeinschaft zum Schtze der sozialen Rechte ehemaliger Angehriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR.

Als am 19. Mai 2003 auf der bewegenden Trauerfeier weit ber 300 enge Kampfgefhrten Gerhard Niebling die letzte Ehre erwiesen, erfolgte das im festen Vorsatz, unser Atze" wird in unseren Herzen und in unserer Erinnerung weiterleben. Erfllen wir im aufrechten Gang durch die von Anfeindungen geprgte Zeit das Vermchtnis des Kommunisten Gerhard Niebling. Wir werden auch weiterhin alles tun, damit nachfolgende Generationen sich seines Lebenswerkes und seiner Ideale bewusst sind.

Im Namen vieler ehemaliger Kampfgefhrten

Dr. Gerhard Neiber, Generalleutnant a. D. ehem. Stellv. des Ministers fr Staatssicherheit der DDR


Lebensdaten

1932 Gerhard Niebling wird am 16. Juli in Markneukirchen geboren.

Sein Vater war Bergmann, seine Mutter war Waldarbeiterin

1939 - 1947 Besuch der Volksschule in Marksuhl.

1947 - 1951 Besuch der Ernst-Abbe-Oberschule in Eisenach mit Abitur.

1951 - 1952 Frdermann im Kali-Bergwerk Dorndorf.

1952 Mitglied der FDJ und der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft.

Gerhard Niebling wird Mitarbeiter der Sicherheitsorgane der DDR.

1952 - 1953 Besuch eines Einjahreslehrganges an der Hochschule des MfS.

1953 Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.
Mitarbeiter der Hauptabteilung Untersuchung im MfS.
Entwicklung zum Abteilungsleiter und stellv. Hauptabteilungsleiter.

1956 Gerhard Niebling heiratet Brigitte Giepner

1957 Geburt der Tochter Carola.

1959 -1960 Besuch der Bezirksparteischule Friedrich Engels" in Berlin.

1960 Geburt des Sohnes Michael, der 1977 verstorben ist.
1964 - 1868 Fernstudent an der Berliner Humboldt-Universitt,

Fachrichtung Kriminalistik.
1971 Verteidigung der Diplomarbeit.
1975 Auszeichnung mit dem
Friedrich-Engels-Preis".

1979 Promotion an der Juristischen Hochschule Potsdam zum Doktor der
der Rechtswissenschaft mit anschlie
ender Mitarbeit
in den wissenschaftlichen Beir
ten der Hochschule.

1980 Auszeichnung als Verdienter Mitarbeiter des MfS".

1983 Leiter der Zentralen Koordinierungsgruppe
im Ministerium f
r Staatssicherheit.

1984 Ernennung zum Generalmajor
1990 Mit der Aufl
sung des MfS Vorruhestand.
1999 Gerhard Niebling wird Mitglied der DKP.
2003 Gerhard Niebling stirbt am 27. April

und wird am 19. Mai in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt.