Die Arbeitsgruppe Aufklärer der GRH veröffentlichte auf ihrer Internetseite www.kundschafter-ddr.de den nachstehenden Nachruf für Gotthold Schramm von Generaloberst a.D. Werner Großmann:

 

Am 18. Juni 2018 nahmen die Ehefrau, Kinder, Enkel, Freunde der Familie, viele ehemalige Mitarbeiter der Hauptverwaltung A des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR sowie Mitglieder der GRH Abschied von Oberst a.D. Gotthold Schramm, der infolge eines Herzinfarktes am 17. Mai 2018 in Friedersdorf (Heidesee) verstorben war.

Der Vorsitzende der GRH, Hans Bauer, selbst über viele Jahre in engem freundschaftlichen und arbeitsmäßigen Kontakt mit Gotthold, würdigte die Persönlichkeit und Verdienste von Gotthold in einer Traueransprache.

Gotthold, am 20.03.1932 in Schwarzbach/Erzgebirge geboren und aufgewachsen, schulich und beruflich ausgebildet in Chemnitz, wurde bereits 20jährig 1952 Mitarbeiter des MfS. 1954 war er Mitarbeiter in der HA XV des Ministeriums des Innern der DDR und infolge der Neugründung des MfS 1956 Mitarbeiter der Hauptverwaltung A. Er arbeitete zunächst viele Jahre als persönlicher Referent beim Leiter der HVA, General Markus Wolf. Bereits im Hinblick auf spätere Aufgaben der HVA bei der Sicherung von Auslandsvertretungen der DDR delegierte ihn Wolf in die HA II des MfS, um das Handwerk der Spionageabwehr zu erlernen. Nach Rückkehr in die HVA arbeitete er in der Abteilung III und war beauftragt, die Grundlagen für den Schutz von Auslandsvertretungen zu erarbeiten. Diese Tätigkeit führte er dann als stellvertretender Leiter der neu gebildeten Abt. IX der HVA bis 1986 erfolgreich aus.

1973, nach dem Putsch in Chile, war Gotthold unter Leitung von Horst Jänicke beauftragt, verantwortliche und von der Junta verfolgte Politiker illegal in die DDR zu holen. Das erledigte er mit vollem Erfolg. Darüber veröffentlichte er 2005 das Buch „Flucht vor der Junta. Die DDR und der 11. September“.

1986 übernahm Gotthold die Leitung der neu in der HVA gebildete Abt. XVIII, die sich mit Aufklärung der durch die Notstandsgesetze in der BRD gebildeten Institutionen und Einrichtungen befasste.

Mit Auflösung der HVA 1990 endete auch sein Einsatz für die Sicherung der DDR. Dieser war durch hohe staatliche Auszeichnungen, z.B. dem Vaterländischen Verdienstorden, mehrfach gebührend gewürdigt worden.

Mit Bildung der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e. V. im Jahre 1993 wurde Gotthold sofort Mitglied und langjähriger Leiter der AG Aufklärer. Außerdem gehörte er viele Jahre dem Vorstand der GRH an. Er widmete sich insbesondere der Hilfe, Betreuung und Unterstützung ehemaliger Kundschafter – auch in Zusammenarbeit mit deren Vereinigung „Kundschafter des Friedens fordern Recht“.

Gotthold verfasste zahlreiche Bücher über die Tätigkeit der HVA, besonders auch deren Kundschafter – oft gemeinsam mit Klaus Eichner. Er war auch der Organisator der Konferenzen “ Spionage für den Frieden“ am 7. Mai 2004 in Berlin und „Hauptverwaltung A. Geschichte, Aufgaben, Einsichten“ am 17./18. November 2007 in Odense/Dänemark. Auch darüber gibt es Buchveröffentlichungen von ihm und Klaus Eichner.

Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, die Verdienste und Lebensleistungen von Gotthold anlässlich seines Ablebens nochmals zu würdigen. Dass er nicht mehr unter uns ist und man nicht mehr miteinander reden kann ist schwer zu ertragen. Aber das ist das Leben. Und so bleibt einem selbst nur die Möglichkeit sein Ansehen in Ehre zu halten, solange man selbst noch dazu in der Lage ist. Und das werde ich und sicher alle, die ihn kannten und mit ihm kämpften, auch tun.