Auszüge aus der Trauerrede für Generalmajor a. D. Heinrich Tauchert     

                                                                                                              

Stellvertreter des Leiters der ehemaligen Hauptverwaltung Aufklärung des MfS der DDR von 1987 bis 1990

 

 

Heinrich Tauchert ist am 04. September dieses Jahres nach schwerer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstorben.

In Schmerz und tiefer Trauer nehmen wir Abschied von diesem dem Leben, seiner Familie und seiner Tätigkeit für die Sicherheit der DDR so verbundenen Menschen.

Mit ihm verlieren wir einen unerschrockenen Kämpfer, Mitstreiter und

Aufklärer, eine Führungspersönlichkeit der ehemaligen Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit sowie einen zuverlässigen Genossen. 

Unser tiefes Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten allen seinen Hinterbliebenen, auch im Namen der Vorstände von ISOR e.V. und der GRH e.V..

Herzlichen Dank sagen wir den zahlreichen Trauergästen in und vor

der Halle, die heute zu unserer Trauerfeier erschienen sind, um sich von Heinrich zu verabschieden, seine Urne bis zur letzten Ruhestätte zu begleiten und ihm die letzte Ehre zu erweisen.  

 

Liebe Hinterbliebene, verehrte Trauergäste,

Schauen wir noch einmal zurück auf wichtige Ereignisse, Etappen und Momente in Heinrich Taucherts Leben und Wirken.

Alle riefen ihn liebevoll Heinz…

Heinz wurde am 24. Januar 1934 in Dauertal im Kreis Prenzlau geboren und wuchs in einfachen, aber behüteten familiären Verhältnissen mit seinen

beiden Geschwistern auf.

Heinz ist in eine schwierige politische Zeit hineingeboren worden.

Sein Vater wurde in die faschistische Wehrmacht einberufen und kam aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft erst 1949 zurück, während die Mutter von Heinz bis zu ihrem frühen Tod 1945 mit den Kindern allein war. 

Heinz musste in diesen schwierigen Jahren maßgeblich mit für seine beiden Schwestern und seine Großeltern sorgen und das Notwendigste zum Leben beschaffen.

Nach Beendigung der Grundschule im Jahre 1948 arbeitete Heinz zunächst in der Landwirtschaft und schloss sich einigen Jugendlichen im Dorf an, die sich um die Teilnahme am gesellschaftlichen Aufbruch bemühten.

 

Mit Heinz zusammen bildeten sie dann die erste FDJ-Gruppe im Ort.

Die Leitungsorgane der FDJ wurden bald auf den Jungen aufmerksam und delegierten ihn zum ersten Einjahreslehrgang an die Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“ von 1951 bis 1952.

Mit 18 Jahren wurde ihm die Funktion des 1. Sekretärs der FDJ – Kreisleitung Lübben übertragen. Gleichzeitig wurde er Mitglied der SED-Kreisleitung und Abgeordneter des Kreistages. Ein Schritt in seiner politischen Laufbahn folgte dem anderen und er wurde zum Besuch der Hochschule des Komsomol nach Moskau von 1955 bis 1956 delegiert.

Exzellent ausgebildet, kam er zurück und arbeitete erneut als 1. Sekretär der FDJ-Kreisleitung in Lübben.

Da sich Heinz bei den ihm übertragenen politischen Aufgaben hervorragend bewährte, wurde er von 1961 bis 1965 zum 1. Sekretär der FDJ-Bezirksleitung Cottbus gewählt.

 

Liebe Hinterbliebene, verehrte Trauergäste,

Eine weitere bedeutsame Etappe in seinem Arbeitsleben begann im Jahre

1965, als Heinz gebeten wurde, künftig in Berlin eine operative Aufgabe für die Hauptverwaltung Aufklärung des MfS zu übernehmen.

Natürlich war dies auch wieder mit persönlichen Konsequenzen  verbunden, denn er war bereits seit 1953 verheiratet und hatte eine Familie.

Heinz nahm seine Tätigkeit als operativer Mitarbeiter am 1. September 1965 in Berlin auf und arbeitete sich sehr schnell in seine Aufgaben ein.

Nun ging es in den folgenden Jahren seiner Entwicklung um die politische, militärpolitische und militärische Aufklärung mit konspirativen Mitteln und Methoden im Operationsgebiet, also vornehmlich in den Zentren der politischen und militärischen Bedrohung der DDR. 

Diese Arbeitsrichtungen prägten seine weiteren Dienstellungen und Zuständigkeiten. Dazu hatte er sich in einem mehrjährigen Fernstudium an der Akademie für Staat und Recht zum Diplomstaatswissenschaftler in der Fachrichtung Außenpolitik qualifiziert.    

Heinz wurde zum Generalmajor ernannt und war Stellvertreter des Leiters der HVA von 1987 bis 1990 für die genannten Bereiche.

Heinz leistete als Vorgesetzter eine gewissenhafte Arbeit.

Er legte Wert auf die kollektive Beratung wichtiger Grundsatzprobleme und besaß eine ausgeprägte „soziale Ader“. 

Er hat sich um die Probleme der Mitarbeiter gekümmert und achtete sie, gleich in welcher Dienststellung sie waren.

Er war geradlinig, bescheiden und ist niemals „abgehoben“. Er konnte auf die Menschen zugehen und stand mit beiden Beinen im Leben. 

Heinz konnte Erfolge verbuchen, musste aber auch Niederlagen hinnehmen.

Als seinen größten Erfolg sah er,  dass er durch sein Wirken mit dazu beitragen konnte, 40 Jahre den Frieden zu erhalten und zu verhindern, dass der Kalte Krieg in einen heißen Krieg umschlägt.

Die größte Niederlage für ihn war der Verlust der DDR als seiner politischen Heimat 1989 / 1990 und deren Anschluss an die BRD. So hat er es auch in seinem „Letzten Willen“ niedergeschrieben.

Heinz musste sich mit dem Ende der DDR eine neue Beschäftigung suchen. Er wurde Angestellter einer Firma in der freien Wirtschaft und konnte dort ab 1993 als Prokurist tätig werden. Auch nach dem Eintritt ins Rentenalter arbeitete er  noch bis 2007 als Expansionsmanager dieses Unternehmens.

 

Liebe Hinterbliebene, verehrte Trauergäste,

In unserer Würdigung des Arbeitslebens von Heinz wollen wir auch seine außerordentlichen Leistungen im Kampf gegen das vom Bundesverfassungsgericht und der Bundesregierung verordnete Rentenstrafrecht für alle ehemaligen Mitarbeiter des MfS 

in der Initiative für gerechte Altersversorgung (IGA) hervorheben.

In der letzten Informationsveranstaltung der IGA vom 11. März dieses Jahres und mit seinem nachfolgenden Brief an alle Freunde der IGA hat sich Heinz von allen betroffenen und beteiligten Genossen verabschiedet.

Aus einer anfangs einzelnen von ihm unterstützten Klage eines leitenden Mitarbeiters der HVA gegen die Strafrente hat Heinz über 21 Jahre hinweg durch die Gründung und Profilierung der IGA ein großes Potential geschaffen, durch das zusätzlich zu den Aktivitäten des Sozialvereins ISOR e.V. weitere wirksame rechtliche und politische Maßnahmen ermöglicht wurden. 

Er stützte sich bei der Organisation seiner Arbeit und den jährlichen Aktivitäten und Informationsveranstaltungen auf den Sprecherrat der IGA sowie auf den die IGA die ganzen Jahre begleitenden Rechtsanwalt

Dr. Bernfried Helmers und auf weitere Helfer.

Mit dem Beschluss des BVerfG vom 7. November 2016, die eingereichten Verfassungsklagen abzuweisen, wurde ganz klar, dass die Strafrente eine politische Entscheidung war.

Dieser Nichtannahmebeschluss des BVerfG war nun auch der Ausgangspunkt für die Auflösung der IGA, deren Kräfte, einschließlich ihres Anwaltes, nun gemeinsam in ISOR e.V. für weitere rechtliche Schritte gebündelt wurden.  

Für all seine Aktivitäten hat Heinz unseren Dank verdient. Für seine Leistungen wurde er zum Ehrenmitglied von ISOR e.V. ernannt.  

 

Liebe Hinterbliebene, verehrte Trauergäste,

Heinz lernte seine zukünftige Ehefrau bereits 1952 auf der ersten FDJ-Versammlung in Lübben kennen.  Durch die weitere FDJ-Arbeit festigte sich ihre Freundschaft. Aus diesen Begegnungen erwuchs nach und nach eine liebevolle innige Beziehung.

Beide beschlossen schließlich zu heiraten und im Jahre 1953 fand ihre Eheschließung statt.   

Sie waren 63 Jahre verheiratet, führten eine glückliche und harmonische  Ehe und erlebten viel Schönes.  Ihre familiären Pflichten haben sie sich beide angemessen geteilt, wobei seine Ehefrau ihrem Heinz immer solidarisch den Rücken für seine politische und operative Arbeit freigehalten hat.  Heinz war infolge seiner Tätigkeit oft nicht zu Hause.

Aber er hing sehr an seinen Kindern, kümmerte sich liebevoll um sie, spielte mit ihnen und setzte sich immer für sie ein.

Stets hatte er für ihre kleinen oder auch größeren Probleme und Fragen ein offenes Ohr. Auch als die Kinder größer wurden, war Heinz stets ihr liebevoller Vater und zugleich aufmerksamer Zuhörer.

Er war dann weiterhin ihr Gesprächspartner, als es um die Schule, die Berufswahl oder die Arbeitsstelle ging und half ihnen dabei.

Die Kinder spürten seine Liebe und kümmerten sich im Alter dankbar um ihren Vater.  

Heinz kannten alle als intelligente, besonnene, und lebhafte Persönlichkeit. Er zeichnete sich ganz besonders durch sein positives, stets nach vorn gerichtetes Denken aus. In seine Familie hinein strahlte er mit

Harmonie, die sich auf seine Angehörigen übertrug. Gegenseitige Achtung war ihm wichtig. Er hat allzeit das Gute im Menschen gesehen, ohne jedoch Konflikten aus dem Wege zu gehen.  Mit seinem Reichtum an Liebe und Gefühlen fand er immer die richtigen Wege zu einer Lösung.      

Verstand und Gefühl gingen bei Heinz Hand in Hand. Sein aufgeschlossenes und geselliges Wesen sowie sein Feingefühl ebneten ihm die Kontakte und den Zugang zu anderen Menschen und dies nicht nur unter seinen Angehörigen. Stets hat er auch anderen geholfen, Probleme zu lösen.  

 

Liebe Hinterbliebene, verehrte Trauergäste,

Heinz war immer ein vitaler Mensch. Aber im Frühjahr 2016 wurde er

plötzlich mit schwerwiegenden gesundheitlichen Beschwerden konfrontiert.

Nach zahlreichen Behandlungen, die keine Besserung brachten, hatte sich in diesem Jahr sein Zustand verschlechtert. Heinz wusste, wie es um ihn stand. Er schrieb seine Gedanken und Wünsche zum Abschied auf. 

Am 4. September ist Heinz für immer eingeschlafen.

 

Das Leben von Heinz Tauchert hat sich nunmehr vollendet. Seine Hinterbliebenen sind tief von seinem Tode betroffen.

Doch sein Wirken bleibt fest verwurzelt in deren dankbarer Erinnerung.   

In seiner Familie hat er sich sehr wohl gefühlt. 

Wenn es jemand wie Heinz vermochte, sein Leben sinnvoll zu gestalten, sollte angesichts seines Todes niemand verzweifeln. 

Dank gebührt allen anderen, die ihm in schweren Stunden zur Seite standen.

Wir begreifen: Lebenszeit ist etwas sehr kostbares. Aber auch der Tod gehört zu unserem Leben.

In Ergriffenheit und Trauer nehmen wir nun für immer Abschied von Heinz.

Und schließlich werden wir von unserem eigenen Leben gefordert und 

schauen, wie Heinz, wieder nach vorn.

Begleiten wir die Urne von Heinz zu seiner letzten Ruhestätte mit einem Spruch, den er sehr mochte und oft gebrauchte, aus dem Buch „Wie der Stahl gehärtet wurde“ von Nikolai Ostrowski, den die Älteren von uns noch aus dem Deutschunterricht in der Schule der DDR kennen:

 

„Das Wertvollste, was der Mensch besitzt ist das Leben.

Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nützen…,

dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben,

meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt –

dem Kampf für die Befreiung der Menschheit – geweiht.“