Anmerkungen:

Die Einsatzkompanie war eine Einheit der für die Militärabwehr zuständigen Hauptabteilung I des MfS. Sie existierte nach Angaben der BStU bis 1985 mit 30 bis maximal 70 Angehörigen. Sie bestand aus hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeitern des MfS, die in unterschiedlichen Formationen, auch legendiert (verdeckt) als Einzelkämpfer zum Schutz der Staatsgrenze der DDR zum Einsatz kamen. Der o.g. Auftrag wurde offensichtlich Anfang der 70er Jahre gleichlautend an die IM dieser Einheit erteilt, sofern sie innerhalb von Grenzkompanien an der Staatsgrenze West zum Einsatz kamen.

Weitere Funde sind also nicht ausgeschlossen.

Mit diesem Auftrag waren die allgemeingültigen Befehle und Weisungen für Grenzsoldaten und Angehörige des MfS der DDR nicht aufgehoben, ihre Befolgung wurde vorausgesetzt.

Fahnenfluchten rangieren als schwerwiegendes Delikt nicht zufällig an der Spitze dieses Auftrages, sie sollten jedoch "möglichst schon in der Vorbereitungsphase" erkannt und verhindert werden. Ausdrücklich verboten war, Fahnenfluchten zu provozieren.

In Auswertung von entsprechenden Vorkommnissen wurden die betreffenden IM instruiert, hinterhältige Methoden von Fahnenflüchtigen vorausschauend zu beachten und "bei Notwendigkeit die Waffe konsequent anzuwenden", um Grenzdurchbrüche von "Verrätern" auch dann zu verhindern, wenn diese mit Frauen und Kindern erfolgen.

Nach Anwendung der Schusswaffe sollten Tote und Verletzte der Einsichtnahme des Gegners entzogen und erste Hilfe geleistet werden. Die Bergung erfolgte für die Grenzsoldaten der DDR immer unter eigener Lebensgefahr, da sie desöfteren von der West-Seite aus beschossen und einzelne von ihnen auf diese Weise auch getötet wurden.

Die Breite, mit der in dem o.g. Auftrag zahlreiche weitere Aufgaben für den/die IM erläutert werden, bestätigen seinen Charakter als eine allgemeine Instruktion. Sie enthält keinerlei Aufforderung, "ohne Vorwarnung" und schon gar nicht auf Frauen und Kinder zu schießen. Der Einsatz der Schusswaffe wird auch in dieser Anweisung nur als letztes Mittel angesehen.

Die Einsatzkompanie der Hauptabteilung I des MfS war übrigens auch beim Versuch der Ergreifung des Terroristen Gartenschläger eingesetzt, dessen Tod in den Anti-DDR-Kampagnen als Vorzeigemord des MfS vermarktet wird. Gartenschläger, der bewaffnet von der BRD aus in das Grenzgebiet der DDR eingedrungen war, wurde bei einem Schusswechsel getötet. Die daran beteiligten Angehörigen des MfS und ihre Vorgesetzten wurden von bundesdeutschen Gerichten freigesprochen.