Zeuthen/Berlin 8. März  2012

 

 

An den Vorsitzenden

der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD)

Herrn Siegmar Gabriel

 

 

Sehr geehrter Herr Gabriel,

Ihre Partei nominierte mit anderen Bundestagsparteien außer den LINKEN Joachim Gauck für die Wahl zum Bundespräsidenten. Wir zweifeln sehr, dass dieser Kandidat persönlich  für das hohe Amt geeignet ist.

 

Uns vorliegende Dokumente und Aussagen überführen den Kandidaten der Lüge und sogar des Meineides.

Am 3. Mai 2000 unterzeichnete Joachim Gauck  eine anwaltlich beglaubigte „Eidesstattliche Versicherung“, in der u.a. nachfolgende Aussage enthalten ist: „Insbesondere habe ich mich zu keinem Zeitpunkt zur Lieferung von Informationen an den Staatssicherheitsdienst bereiterklärt und habe zu keinem Zeitpunkt bewusst und gewollt mit dem Staatssicherheitsdienst zusammengearbeitet.“  (Faksimile liegt uns vor).

 

Bereits am 23. April 1991 hat „DIE WELT“ auf einer ganzen Seite das Protokoll über eine  Begegnung veröffentlicht, die der damalige Pastor Joachim Gauck in seiner Rostocker  Wohnung mit dem MfS-Hauptmann Terpe hatte. Das Protokoll widerlegt die von Herrn Gauck in der „Eidesstattlichen Versicherung“ abgegebene Erklärung, nicht mit dem MfS zusammen gearbeitet zu haben. Die betreffende Datei wurde bezeichnenderweise zwischenzeitlich im Internet gelöscht.

Noch abrufbar ist jedoch der Beitrag von Peter-Michael Diestel – letzter Innenminister der DDR – im „Freitag“ vom 28.4.2000. Mit ausführlichen Zitaten aus dem Terpe-Protokoll belegt, schreibt P.-M. Diestel.[1]

 

„Pastor Gauck erklärte dem Hauptmann Terpe, er sei nicht gewillt mit nicht kompetenten Mitarbeitern des MfS Gespräche zu führen. Bei vielen MfS-Mitarbeitern glaubt Gauck neurotische Züge zu erkennen, klärt er Terpe auf. Mit wie vielen Stasi-Leuten pflegte der Pastor Umgang, um sich ein solches Urteil bilden zu können? . . . Gauck äußerte, dass er selbst in seiner Gemeinde dahingehend wirksam werden will, dass er die ihm dort bekannten Übersiedlungssuchenden durch Gespräche, mehrmalige Gespräche, beeinflussen will, damit sie in der DDR bleiben. Terpe dankte dafür. Deutlicher kann man eine Zusammenarbeitsbereitschaft kaum formulieren.  . . . Hauptmann Terpe dankte Pastor Gauck für seine Initiativen und für seine langfristig gute Zusammenarbeit. Ausdrücklich verwies der Stasi-Mann darauf, dass er nicht nur persönlich dankt, sondern dass der Dank vom Ministerium für Staatssicherheit insgesamt kommt. – Wofür, Herr Gauck? . . . Pastor Gauck erklärte, das Gespräch mit Hauptmann Terpe habe ihn angenehm überrascht, es habe ihm viel gegeben. Er glaube, dass das MfS einen echten positiven Beitrag zur Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft einbringen wird. . . . Gauck bot dem MfS-Mann eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Ökologie an. . . . MfS-Hauptmann Terpe teilte Pastor Gauck mit, dass ihn seine in die BRD übergesiedelten Kinder ab sofort besuchen dürfen. . . . Abschließend bat Pastor Gauck, Kontakt zu MfS-Hauptmann Terpe halten zu dürfen. Der Stasi-Mann gewährte die Bitte. – Notiz des Hauptmanns zur Auswertung des Gesprächs: Es wird vorgeschlagen, den OV „Larve“ zu archivieren und einen IM-Vorlauf anzulegen. Klartext: Stasi-Hauptmann Terpe war nach dem Gespräch davon überzeugt, Pastor Joachim Gauck bald als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) in den Reihen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR zu haben.“

 

Die Junge Welt veröffentlichte am 8. Juni 2010 ein Interview mit Oberst a.D. Artur Amthor, letzter Leiter der Bezirksverwaltung Rostock des MfS:

Frage: Stimmt es, dass das MfS Gauck Vergünstigungen gewährt hat?

Antwort: Das ist richtig, das war von uns als Vorleistung als vertrauensbildende Maßnahme gedacht, um ihn auf eine Werbung als inoffiziellen Mitarbeiter (IM) vorzubereiten. Er kam in den Genuss zahlreicher Sondererlaubnisse, die kaum einem anderen DDR-Bürger gewährt wurden. Z.B. durften seine Söhne in die BRD übersiedeln, sie konnten auch jederzeit zu Besuchen wieder in die DDR einreisen. Aus Anlass dieser Übersiedlung durfte Gauck per Sondergenehmigung sogar mit in den Westen fahren. Ferner kamen wir seinem Wunsch nach, für seine privaten Zwecke den Import eines VW-Transporters zu ermöglichen.“

 

Uns liegen weitere Informationen vor, aus denen hervorgeht, dass auch andere von Joachim Gauck gemachte  biografische Angaben unwahr sind. Dazu laufen noch umfangreiche Recherchen. Erste Ergebnisse enthält das Dossier „Die Akte Gauck“. (im Internet mehrfach veröffentlicht und vieltausendfach angeklickt, unter anderem unter http://www.okv-ev.de)

 

Wir bitten Sie in Kenntnis dieser Informationen zu prüfen, ob Sie gegenüber dem deutschen Volk  verantworten können, erneut einen Bundespräsidenten zu wählen, dessen Glaubwürdigkeit von vornherein erschüttert ist.

Wie soll im Übrigen ein Bundespräsident moralisches und christliches Vorbild sein und seinen protokollarischen Pflichten nachkommen, der nach wie vor mit einer Frau verheiratet ist, jedoch seit Jahren mit einer anderen in Lebensgemeinschaft zusammenlebt.

Sollte Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt werden, sehen wir uns politisch und moralisch verpflichtet, im Zusammenwirken mit weiteren Persönlichkeiten, Organisationen und Verbänden alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dem deutschen Volk die Wahrheit über Joachim Gauck zu vermitteln  und die uns verfügbaren Dokumente und Aussagen – einschließlich dieses Briefes - zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Dr. Klaus Blessing                                                            Manfred Hegner

P.S. Wir haben gleichlautende Schreiben an die Vorsitzenden der anderen Parteien gesandt, die Gauck nominiert haben.



[1] Originalzitate aus dem in DIE WELT veröffentlichten Protokoll sind kursiv geschrieben.