junge Welt

30.06.2008 / Feuilleton / Seite 12

Verehrt und unvergessen

Zum Tod von Heinz Geyer

Werner Gromann

Generalmajor a.D. Heinz Geyer, stellvertretender Leiter und Chef des Stabes der Hauptverwaltung A des Ministeriums fr Staatssicherheit der DDR, starb am 3. Juni 2008 im Alter von 79 Jahren und wird heute beigesetzt. Sein Tod kam fr seine Angehrigen, seine Genossen und Freunde pltzlich und unerwartet und beendete sein so erflltes Leben.

Am 30. April 1929 im niederschlesischen Lauban geboren, am Kriegsende mit seiner Mutter nach Grlitz bergesiedelt, erlernte er dort das Friseurhandwerk und begann alsbald sich politisch zu orientieren und zu organisieren. Er wurde Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands.

1949 wurde er Mitarbeiter der Volkspolizei. Danach trat er in den Dienst des Ministeriums fr Staatssicherheit, dem neugebildeten Sicherheitsorgan der DDR. Zunchst arbeitete er in der Kreisdienststelle, dann in der Bezirksverwaltung Leipzig und ab 1964 in der Hauptverwaltung A in Berlin. Er setzte sich stets mit ganzer Kraft fr die Erfllung der ihm bertragenen Aufgaben ein. Hervorzuheben sind seine Verdienste in der Spionageabwehr, sein Einsatz beim Aufbau eines Sicherheitsorgans in der damals mit der DDR befreundeten Volksrepublik Sansibar, sein persnliches Engagement bei der Entwicklung der nachrichtendienstlichen Ttigkeit in Richtung USA und gegen gegnerische Geheimdienstzentren in den wichtigsten NATO-Lndern.

In all den Jahren der Zugehrigkeit zur HVA war ich persnlich und dienstlich sehr eng mit Heinz verbunden. Zunchst als gleichberechtigter Stellvertreter und in den letzten Jahren als einer meiner stellvertretenden Leiter und als Chef des Stabes. Es entstand eine enge persnliche Freundschaft. Heinz Geyer stellte an sich selbst hohe Anforderungen, erwartete dies auch von seinen Mitarbeitern, im Vordergrund stand fr ihn jedoch immer der Mensch. Das galt insbesondere auch fr die inoffiziellen Mitarbeiter, fr die er Verantwortung trug. Er war nicht nur Leiter, sondern immer auch Mitglied eines Kollektivs.

Heinz Geyer fhrte seit 1951 eine glckliche Ehe und erfreute sich an seinen vier Kindern, acht Enkeln und drei Urenkeln. Er war ihnen allen Vorbild, ihm waren sie Halt und Sttze in jeder Beziehung, zu jeder Zeit. So auch seit der seit 1990 einsetzenden strafrechtlichen Verfolgung, Verleumdung und Kriminalisierung der ehemaligen Mitarbeiter des MfS. Wie Heinz war auch seine Familie der gesellschaftlichen und sozialen Ausgrenzung ausgesetzt. Gegen ihn wurden drei Ermittlungsverfahren wegen geheimdienstlicher Agententtigkeit, wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung gefhrt.

In letzter Zeit huften sich Angriffe durch Einzelpersonen und Medien in hlichster Form gegen ihn persnlich im Zusammenhang mit dem Erscheinen seines Buches Zeitzeichen - 40 Jahre in Spionageabwehr und Aufklrung. Diesen skrupellosen menschenverachtenden Machenschaften trat er mit der ihm eigenen Souvernitt entgegen. Er verhielt sich auch in dieser Zeit wie er es in seinem Buch als Vermchtnis festhielt: Zurckblickend kann ich feststellen, da ich zufrieden bin, an der Gestaltung einer sozialistischen Gesellschaft auf deutschem Boden mitgewirkt zu haben.

Wir werden Heinz Geyer ein dauerndes ehrendes Andenken bewahren. Er wird in unseren Herzen weiterleben.