Bericht einer ehemaligen "Hoheneckerin":

„Während meiner 18monatigen Haftzeit in der ehemaligen Strafvollzugseinrichtung (StVE) Hoheneck bekam ich eine gute, bis sehr gute ärztliche Behandlung, die auch die bestmöglichsten Therapien beinhaltete.
Beispiel: Aufgrund meines damaligen Untergewichts bei Ankunft auf  Hoheneck wurde mir sofort eine tägliche Milchsuppe über mehrere Wochen verordnet, obwohl eine StVE kein Sanatorium ist und Hoheneck gleich gar nicht!
Zum Eigentlichen: Der Leiter/Chefarzt des sog. GW war ein Oberstleutnant MR Dr. J. Diesem klugen, umsichtigen, einfühlsamen Arzt haben nicht nur ich, auch viele andere pol. Häftlinge jener Zeit viel zu verdanken.
Beispiel, was meine Person betraf: Aufgrund eines, durch ungewohnte Akkordarbeit an der Industrienähmaschine erworbenen Schulter-Arm-Syndroms sowie gravierendem Hautausschlag, hervorgerufen durch stark verunreinigte Bekleidung, die wir umnähen mussten, sowie eines Erschöpfungszustandes, erhielt ich von Dr. J. folgende Therapie:
1. Sofortige Einzel-Einbettung in eine helle 1-Raumzelle im GW
2. Tägliches med. Wannenbad
3. Tägliche Massage gegen insgesamte Verspannungen
4. Tägliche UV-Bestrahlung und medikamentöse Behandlung der Hautausschläge.
5. Schonkost aufgrund eines hypersekretorischen Reizmagens
6. Entlassung aus dem GW erst dann, wenn ein Körpergewicht von mindestens 50 kg erreicht ist. (Nebenbei: ich bin 175 cm lang).
Diesem StVE-Arzt habe ich aus jener Zeit viel zu verdanken. Er stellte meine  Gesundheit für die weitere Haftzeit zufriedenstellend wieder her.
Auch in Bezug auf psychische Probleme (hier die Trennung und Unterbringung
meiner beiden Kinder in verschiedenen Heimen) hatte Dr. J. stets ein sachliches Verständnis, was sich als sehr hilfreich erwies.

Dr. J. setzte sich auch erfolgreich dafür ein, dass die mit Fäkalien, Blut und Sperma verunreinigten Bekleidungsstücke, bevor sie in die Hände der Strafgefangenen zur Weiterverarbeitung gelangten, chemisch gereinigt wurden.
Wenn ich heute, viele Jahre später, von den "ehemaligen Hoheneckerinnen" oder sich anderen zu Wort meldenden Leuten Gegenteiliges über die medizinische Behandlung auf Hoheneck lese, entzieht sich das meinem Verständnis sowie meiner eigenen und auch der gemachten Erfahrung anderer Frauen.“