Prof. Wilhelm Krelle – eine Auskunft

 

Der westdeutsche Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Drs. h. c. Wilhelm Krelle war nach 1990 Gründungsdekan des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin und zugleich Vorsitzender der Struktur- und Berufungskommission Wirtschaftswissenschaften dieser Universität. Er war damit verantwortlich für die Eliminierung dort ehemals tätiger Wissenschaftler der DDR. Seine entsprechenden Verdienste wurden mit der Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität Berlin geehrt.

Diese Ehrung wurde vom Akademischen Senat ausdrücklich bestätigt, obwohl Vorwürfe gegen Prof. Krelle im Zusammenhang mit dessen früherer Zugehörigkeit zur Waffen-SS erhoben worden waren.

 

In einem im Internet veröffentlichten Protokoll der 51. Sitzung des Akademischen Senats der Humboldt-Universität vom 04.06.1996 ist wörtlich nachzulesen:

„TOP 9:

Bericht über die Arbeit des Ausschusses gem. § 20 der GO AS zur sachdienlichen Klärung der Vorwürfe gegen Herrn Prof. Dr. Drs. h.c. Wilhelm Krelle

(Ausschluß der Öffentlichkeit)

Prof. Krauß faßt zusammen: Gegen den früheren Vorsitzenden der Struktur und Berufungskommission Wirtschaftswissenschaften, Herrn Prof. Dr. Krelle, waren in der Öffentlichkeit Vorwürfe hinsichtlich einer Tätigkeit in der Waffen-SS erhoben worden. Zur sachdienlichen Klärung dieser Vorwürfe hat der Akademische Senat der Humboldt-Universität einen Ausschuß eingesetzt.

Der Vorsitzende des Ausschusses, Prof. Schlink, erläutert die Ergebnisse der Arbeit des Ausschusses. Dem Ausschuß lagen alle verfügbaren Unterlagen vor; er stützte sich im übrigen auf ein Gutachten von Herrn Dr. Wegner von der Universität der Bundeswehr Hamburg, das diese Unterlagen ausgewertet hat. Der Ausschuß schließt sich der Auffassung des Gutachters an und stellt fest, daß Herr Prof. Krelle im August 1944 zu einem Generalkommando der Waffen-SS versetzt worden ist, ohne aus der Wehrmacht ausgeschieden zu sein, und daß er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Mitglied der SS gewesen ist. Die Überstellung zur Waffen-SS erfolgte ohne Zutun von Prof. Krelle. Angebote, aus dem Heer auszuscheiden und zur SS überzutreten, wurden von ihm abgelehnt.

Der Akademische Senat nimmt den Abschlußbericht des Ausschusses einstimmig zur Kenntnis.“

 

Prof. Krelle war ab 1935 Wehrmachtsoffizier und wurde 1944 als Generalstabsoffizier zur Waffen-SS kommandiert, wo er als SS-Sturmbannführer im Stab der SS-Division „Götz von Berlichingen“ eingesetzt war. Diese Division hat  Kriegsverbrechen begangen.

Wilhelm Krelle wurde mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und verstarb in seiner Bonner Villa am 23. Juni 2004 wohlpensioniert im Alter von 88 Jahren. Er hat sich offenbar niemals in seinem Leben unangenehmen Fragen nach seiner möglichen Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit stellen müssen.

 

Andere, denen lediglich ihre Staatsnähe zur DDR vorgeworfen werden konnte, hatten ein solches Glück in ihrem Leben nicht.

Dr. sc. Hans Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Hochschuldozent der Humboldt-Universität wurde 1991 – wie anderen zahlreichen DDR-Wissenschaftlern auch – „wegen mangelnden Bedarfs und mangelnder fachlicher Qualifikation“ ordentlich gekündigt, obwohl ihm ein Gutachten der Freien Universität außerordentliches Engagement, solide theoretische Grundkenntnisse und den Anschluss an den wissenschaftlichen Standard westlicher Universitäten bescheinigt hatte.

Prof. Krelle hatte erklärt, dass kein Marxist jemals wieder die Humboldt-Universität betreten werde und er Dr. Schmidt unter allen Umständen von der Humboldt-Universität entfernen wollte. Nach vierjährigen demütigenden Arbeitsrechts-Streitigkeiten gab Dr. Schmidt auf und wählte am 08.05.1996 den Freitod.

(Vgl. auch „Icarus“ Nr. 3/4 2006)

Wolfgang Schmidt

26.01.1007

 

Am 17.02.2007 veröffentlichete die "junge Welt" einen Offenen Brief an Marcel Reich-Ranicki, in dem dieser anlässlich seiner Würdigung als Ehrendoktor der Humboldt-Universität Berlin auf die skandalöse Verleihung der Ehrendoktorwürde für Wilhem Krelle durch die gleiche Universität aufmerksam gemacht wurde.

Die Autoren des Offenen Briefes beabsichtigen, auch beim Bundespräsidenten anzufragen, inwieweit er die Verleihung des Bundesverdienstkreutzes an Wilhelm Krelle für legitim hält.