Menschenversuche in der DDR zum Zweiten...

 

2 ½ Jahre Forschungen und Kosten in Millionenhöhe wurden investiert, um am Ende in einer wissenschaftlichen Studie festzustellen, was seit etwa 20 Jahren bekannt ist: Westliche Firmen haben in der DDR Medikamente getestet, jedoch ohne systematische Verstöße gegen die damals geltenden Regeln. Die Forscher sprechen von einem „Skandal, der keiner war“ und hatten schon bei der Präsentation der ersten Zwischenergebnisse im Sommer 2014 betont, dass es völlig überzogen sei, von „Menschenversuchen“ zu sprechen.

Das hinderte den RBB allerdings nicht daran – ganz im Stile des alten Frontstadtsenders SFB – seinen diesbezüglichen Bericht in den Hauptnachrichten am 15.03.2016 mit „Versuche an DDR-Bürgern“ zu betiteln.

Obwohl die Studie dafür keine Belege erbracht hat, wurde in diesem Beitrag wiederum suggeriert, die Medikamententests seien ohne Einwilligung und ohne Wissen der DDR-Bürger erfolgt. Eine ältere Dame erhielt Gelegenheit über selbst erfahrene schädliche Wirkungen solcher Tests zu berichten. Sie assistierte damit Roland Jahn, der nicht nur weitere Untersuchungen zu den Medikamententests in der DDR für erforderlich hält, sondern mit ihr auch eine erste Fürsprecherin seiner angestrebten neuen Funktion als „Opferbeauftragter“ präsentieren konnte. Menschen, die in der DDR gelitten hätten, bräuchten schließlich eine offizielle Vertretung.

 

Um gegen die DDR unentwegt weiter zu hetzen, bedarf es keiner Fakten, sondern nur eines gefestigten Feindbildes und pausenlos eingetrichterter Klischees, siehe auch „Zwangsarbeit“ oder „Zwangsadoptionen“ und selbstverständlich einer immer größer werdenden Schar von „Opfern der SED-Diktatur“.

Dabei wird absichtsvoll von den Opfern des heutigen Systems abgelenkt, den in sozialen Elend Lebenden, dem Schicksal der durch imperialistische Kriege und neokolonialistische Ausbeutung aus ihrer Heimat Vertriebenen, den Opfern rechtsradikaler Gewalt und der Drogenkriminalität, aber auch den Opfern der Kommunistenverfolgung, des Radikalenerlasses, der Siegerjustiz nach 1990, des Strafrentensystems usw. usf. Für sie wird wohl keine „Opferbeauftragter“ tätig werden.

 

W.S.

17.03.2016

 

 

 

Vgl. auch: Menschenversuche in der DDR