MfS-Beteiligung am Papst-Attentat?

 

Die PISA-Studie unterscheidet ausdrücklich zwischen den Fertigkeiten des Lesens und dem „verstehenden Lesen“. Doch liegt es sicher nicht an fehlenden Fertigkeiten sondern an dem durch antikommunistischen Tunnelblick versperrten Willen zum Begreifen schriftlich fixierter Aussagen.

Aus den durch die Birthler-Behörde wiederholt präsentierten Dokumenten des MfS zum Papst-Attentat ist eindeutig zu ersehen, dass das MfS von seinen bulgarischen Partnern um publizistische Unterstützung gebeten wurde. Das geschah, nachdem infolge des Papst-Attentates eine maßlose Hetzkampagne gegen Bulgarien angelaufen war, inklusive der zeitweiligen Inhaftierung bulgarischer Bürger in Italien.

Hätte es die von einem italienischen Parlamentsausschuss 23 Jahre nach dem Attentat behauptete Arbeitsteilung der Geheimdienste der UdSSR, Bulgariens und der DDR gegeben – der DDR soll angeblich die publizistische Absicherung zugefallen sein – wäre dieses Ersuchen unnötig gewesen oder es hätte sich auf vorangegangene Absprachen beziehen müssen. Das MfS hätte spätestens am Tage des Attentates eine publizistische Kampagne - etwa nach dem Motto: Haltet den Dieb! - eröffnen und nicht erst auf Bitten seiner bulgarischen Genossen nach Möglichkeiten zu deren publizistischen Entlastung suchen müssen.

Die „junge Welt“ hat in ihrem Beitrag vom 04.03.2006 zum gleichen Thema treffend darauf verwiesen, dass „Stinkkäse bekanntlich nicht besser riecht, wenn man ihn lange auf der Heizung liegen lässt“. Zuzustimmen ist ihr auch, wenn sie die Glaubwürdigkeit eines Gremiums infrage stellt, „in dem die halbfaschistische Regierungskoalition von Silvio Berlusconi die Mehrheit hat.“

Vielleicht ist das Ganze aber auch nur ein Manöver, um der Antikommunismus-Entschließung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 25.01.2006 Leben einzuhauchen.

 

Wolfgang Schmidt

04.03.2006