Zur RBB-Dokumentation "Das braune Erbe. Der Antifaschismus der DDR"

(13.12.2007)

Was ist schon zu erwarten, wenn die zur Verteufelung der DDR gegründete "Stiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur" einen Film zu einem DDR-Thema sponsert? Gemessen am
propagandistischen Auftrag kommt die o. g. Dokumentation ziemlich seriös daher und lässt
sogar eine Reihe honoriger Persönlichkeiten zu Wort kommen. Die Filmemacher waren sich
vermutlich darüber im Klaren, auf welch dünnem Eis sich die Apologeten der BRD bei diesem
Thema bewegen. Respekt vor den klaren Aussagen des unlängst verstorbenen unbeugsamen
jüdischen Kommunisten Kurt Goldstein!

Die Quintessenz der Dokumentation, ihr Schlusswort durch Erich Loest lautet aber: Der
Antifaschismus wurde durch die DDR missbraucht.

So haben wir es also wieder mit der schlimmsten Form der Lüge, der mäßig entstellten
Wahrheit (Georg Christoph Lichtenberg) zu tun.

Ist es Missbrauch des Antifaschismus, wenn die DDR auf Nazi-Verbrecher in höchsten
Staatsämtern der alten Bundesrepublik hinwies? Ist es Missbrauch, daran zu erinnern, dass
die IG Farben es war, die das Giftgas für die Vernichtungslager produzierte und hieran
verdiente?

Absichtsvoll vermeidet die Dokumentation eine klare begriffliche Aussage.
So verschwimmen die Grenzen zwischen Nazi-Belasteten - ehemaligen Mitläufern und
Nazi-Funktionären - und jenen, die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit begangen haben. Der Kommentator der Nürnberger Rassengesetze und
Spitzenbeamte Adenauers, Globke, steht so auf einer Stufe mit Tierpark-Direktor Dr. Dathe
(NSDAP-Mitglied seit 1928). Das auch die DDR mit ehemaligen Nazis leben musste,
bestreitet niemand, waren sie aber typisch für die Besetzung höchster Staatsämter in der
DDR?

Ist der Versuch der FDJ, 1950/1951ehemalige HJ-Führer zur Verhinderung der in die Spaltung

führenden Remilitarisierung West-Deutschlands zu gewinnen, gleichbedeutend mit der Aufgabe
jeglicher moralischer Grundsätze? Vertrat die FDJ jemals eine menschenverachtende
Ideologie wie die HJ?

Wie zu erwarten, wurde auch der "Historiker" Henry Leide in der Dokumentation bemüht.
Durch die Publikation "Anti-Leide", herausgegeben von der GRH 2007, sind seine
"wissenschaftlichen" Ansätze aber längst als Scharlatanerie entlarvt.

Unhaltbar ist auch die These, das MfS habe auf die Verfolgung von Nazi-Verbrechen
verzichtet, wenn Personen sich für eine inoffizielle Zusammenarbeit bereit erklärt
hätten. Selbst Leide muss in seinem Machwerk "NS-Verbrecher und Staatssicherheit"
einräumen, dass durchaus auch vormalige IM des MfS bestraft und selbst zum Tode
verurteilt wurden, wenn im Nachhinein derartige Verbrechen bekannt wurden. Mit Leuten,
die Blut an den Händen hatten, hat das MfS nicht wissentlich zusammengearbeitet! Eine

Fragebogenfälschung ist kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

Entgegen den neuerlichen Verunglimpfungen des Antifaschismus und des Umgangs mit
ehemaligen Nazis in der DDR  fehlen  Aussagen zum Anteil des MfS an der Aufklärung und
strafrechtlichen Ahndung von Nazi-Verbrechen wie auch reale Vergleiche zu diesbezüglichen
Verfahren in Ost und West.

Auch die antifaschistische Gründergeneration des MfS wird total unterschlagen. Wohl weil
hier die fundamentalen Unterschiede zur Alt-BRD offenbar würden, in der der
Bundesnachrichtendienst aus einem faschistischen Geheimdienst gebildet wurde und schwer
belastete Nazi-Verbrecher auch in anderen staatlichen Diensten und Behörden tätig waren.

Es ist wohl die Furcht vor dem Antifaschismus als Gegenpol zu den alten und neuen Nazis
in der BRD, die die Macher des TV-Beitrages und ihre Brötchengeber umtreibt. Nicht von
ungefähr warnte die FAZ am 13.12.07 in einem Artikel von Volker Zastrow unter der
Überschrift "Zurück zur DDR?" davor, dass der Antifaschismus ." offenbar wieder
salonfähig." werde.

 

Dieter Skiba / Wolfgang Schmidt

15.11.2007