IM-Skandal um CDU-Historiker

 

Wie „Die Welt“ am 17.11 2010 enthüllte, hat der seit 1994 als Totalitarismus-Forscher am Hannah Arendt-Institut Dresden beschäftigte Dr. Michael Richter eine IM-Vergangenheit.

Er war demnach von Januar 1979 bis April 1981 insbesondere zur Überwachung kirchlicher Kreise (u. a. als Hilfsassistent des Theologie-Professors Heinrich Fink) eingesetzt und soll sich dazu verpflichtet haben, nach seiner vom MfS unterstützten Übersiedelung in die BRD weiterhin als IM tätig zu sein. Er habe sich jedoch gleich nach seiner Übersiedelung 1981 dem Verfassungsschutz offenbart. „Dank mächtiger Fürsprecher in Politik und Wissenschaft“ (auch des Verfassungsschutzes?) habe die frühere IM-Tätigkeit seiner Karriere nicht geschadet.  

Es ist das Los fast aller Konvertiten, dass sie geradezu zwanghaft bemüht sind, ihre neuen Glaubensbrüder und –Schwestern an Frömmigkeit zu übertreffen. Seine Kritiker verspotten ihn nicht unbegründet als „Haus- und Hofchronist“ der CDU. Für seine neuen Auftraggeber übernahm er anscheinend auch die Dreckarbeit bösartiger Geschichtsfälschungen. So verbreitete er die These, dass der 1946  - 1947 als Ministerpräsident des Freistaats Sachsen agierende Dr. Rudolf Friedrichs (ehem. SPD) von dessen Stellvertreter Kurt Fischer (ehem. KPD) ermordet (vergiftet) worden sei. Eine Behauptung die sich bei seriöser Nachprüfung als haltlos herausstellte. Auch Ex-Bundespräsident Horst Köhler blamierte sich, als er 2009 im Gedenken an die Leipziger Montags-Demonstration vom 9.10.1989 - auf Dr. Richters „Forschungen“ basierend - eine Horrorstory von Leichensäcken und bereitgestellten Blutkonserven präsentierte.

Jede sächsische Schule sollte nach Ansicht des CDU-Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich das Buch Michael Richters über den Herbst 1989 in ihre Bibliothek stellen.

Es muss ja nicht alles wahr sein, was da geschrieben steht, es ist auch nicht appetitlich, wie sich Historiker prostituieren, dem Zeitgeist dient es allemal.

 

W.S.

24.11.2010