Wolfgang Schmidt                                                                                                     

"Beweise" für Folter durch das MfS

Schulklassen und Bundeswehrangehörige wurden in der sog. Gedenkstätte Hohenschönhausen fast zwei Jahrzehnte lang an einer besonderen Attraktion vorbeigeführt: nachgebauten, man sagt "rekonstruierten" Wasserfolterzellen. Vgl. Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen auf dem Rückzug?

Für die Existenz solcher Folterzellen, die rasch eingebaut wurden, noch ehe ein Konzept für diese Gedenkstätte erarbeitet war, lag ein einziges "Beweisstück" vor in Form der nachstehenden Handskizze:

                                        Primitiv-Skizze

Auf einige Feinheiten dieses einzigen "Beweises" für Folterzellen in der UHA Hohenschönhausen sei ausdrücklich hingewiesen:

1.      die Skizze stammt angeblich aus dem Jahre 1947, das MfS existiert aber erst seit 1950;

2.      der Kronzeuge ein Privatdetektiv, hat seine eigene Skizze aus dem Jahre 1990 (!) gleich zwei Mal mit seinem eigenen Stempel selbst beglaubigt. Bis heute hat sich niemand gefunden, der den Einbau dieser Zellen bestätigen konnte oder gar in ihnen gefoltert wurde.

Bei Führungen wurde behauptet, das "Wasserfolter" beim MfS in den 50er Jahren an der Tagesordnung gewesen sei. Von angeblich tausenden Fällen habe sich bisher allerdings nur ein Zeuge öffentlich gemeldet, dessen Name bis heute nicht genannt wurde. Dieser habe in der Strafvollzugsanstalt Halle in seiner Zelle bis zum Hals im Wasser stehen müssen. Wie das Wasser in die Zelle gekommen sein soll und wie es wieder heraus kam, kann allerdings niemand erklären. Aber wer hält sich schon an solchen Kleinigkeiten auf.

Nicht ein einziger Mitarbeiter des MfS wurde bisher wegen Folter angeklagt oder verurteilt. Gegen das MfS hat heute jeder recht. Warum soll man sich da mit so altmodischen Kategorien wie Wahrheitsliebe oder der journalistischen Tugend, wenigstens zwei unabhängige Quellen für eine Behauptung zu suchen, belasten.

In den Abendnachrichten des SFB wurde am 29.11.2002 über einen Auftritt des Thomaner-Chores in der "Gedenkstätte Hohenschönhausen" berichtet. Dabei wurde der staunenden Öffentlichkeit auch eine der "rekonstruierten" Wasserfolterzellen gezeigt. Die Häftlinge hätten sich über einen Eimer-ähnlichen Trog beugen müssen, während aus einem Tropfgefäß Wasser auf ihren Kopf getropft sei. Es sei auch möglich gewesen, dass jemand in dem Wassertrog ertrinken konnte. Es kommt schließlich oft vor, dass Menschen in Wassereimern ertrinken, etwa genauso häufig wie eine "Kuh im Propeller".

Überzeugen Sie sich selbst anhand eines Amateurfotos dieser "Karl-May-Zelle"

                                         

Nachtrag: Peter Erler, Kompagnon des Gedenkstättenchefs, Hubertus Knabe, schreibt unter der Überschrift "Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen" im Deutschland-Archiv Nr. 2/2005 auf Seite 257:

"Nach Angaben von K.-H. Reuter mußten er und weitere Häftlinge des Haftarbeitslagers (HAL) während der Einrichtung des Gefängnisses im April/Anfang Mai 1947 vier Zellen des "U-Boots" mit besonderen Vorrichtungen für Wasserfolterprozeduren ausstatten. (Fußnote 53). Nach der Isolation der Zelle gegen Wasser seien Foltergeräte, wie Beugegerüste, Fesselvorrichtungen, Knieholzpritschen und Tropfinstallationen, eingebaut worden. Über die Existenz und die Nutzung dieser Foltereinrichtungen liegen allerdings nur sehr vage Informationen vor. So ist gegenwärtig davon auszugehen, dass die von Reuter beschriebenen Folterinstallationen - vorausgesetzt es gab sie - entweder nur kurzzeitig bzw. nicht genutzt oder bald wieder demontiert wurden....
Fußnote 53:  ... Mehrere Zeitzeugen haben dem Vf. gegenüber mehrfach erklärt, dass sie Reuters Darstellung für unrealistisch hielten. Dennoch hat der Berliner Senat die beschriebenen Foltereinrichtungen 1993 im ehemaligen "U-Boot" zum Teil nachbauen lassen. Durch ihre intensive emotionale Wirksamkeit prägen diese Installationen heute maßgeblich das Bild tausender Gedenkstättenbesucher von der Untersuchungshaft unter MGB und MfS."

Unangefochten von solchen Skrupeln erklärte Gedenkstättensprecherin Silke Bauer am 13.07.05 in der Westberliner "BZ": "Diese Zelle wurde nach einem glaubhaften Zeitzeugenbericht mit Skizze nachgebaut."

Vergleiche auch: Endlich gefunden: Originalvorlage für die in der "Gedenkstätte Hohenschönhausen" angeblich rekonstruierten Folterzellen. und: Kronzeuge Karl May