Wolfgang Schmidt                                                                                                      28.06.2001

 

Senator und Gärtner

 

 

Walter H., langjährig im MfS als Auswerter und EDV-Spezialist tätig, hatte nach der Wende in seinem erlernten Beruf eine Arbeit als Gärtner bei der Berliner Gartenschau aufgenommen. Am 01,07.1991 wurde er fristlos gekündigt. Volker Hassemer, seinerzeit Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz muss wohl wie jeder gebildete Leser von Kriminalromanen um die Gefährlichkeit von Gärtnern gewusst haben als er sich zum Schutz der "Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung" (FDGO) aufschwang, diese Kündigung u.a. wörtlich wie folgt zu begründen: "... Aufgrund Ihrer vorherigen Tätigkeit sind Sie Mitarbeitern und Bürgern des Landes nicht einmal als Gärtner zumutbar, da selbst bei dieser Tätigkeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass Sie mit Bürgern und Publikum Kontakt erhalten und dass Sie ... für einen Repräsentanten des Landes Berlin, der hoheitlich tätig wird, gehalten werden..."

Darauf muss man erst einmal kommen.

 

PS: Auch 11 Jahre nach dem Untergang der DDR besteht für ehem. Mitarbeiter des MfS Berufsverbot für den öffentlichen Dienst. So dürfen sie z.B. auch heute noch nicht hoheitlich bei der Müllabfuhr des Landes Berlin tätig werden.