29.1.2015 Tageszeitung junge Welt

Forschungsobjekt des Tages: Deutsch-deutscher Schferhund

Eine hechelnd-behaarte Killermaschine - bewhrt in beiden deutschen Diktaturen: der deutsch-deutsche Schferhund. Den kennen Sie nicht? Keine Bange. Schon bald wird er einer staunenden ffentlichkeit vorgestellt werden. Denn die TU Berlin richtet am 6. Februar eine Konferenz mit folgendem bedeutungsschweren Thema aus: Tiere unserer Heimat. Auswirkung der SED-Ideologie auf gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhltnisse in der DDR. Verantwortlich zeichnen Vertreter einer Disziplin, die den Namen Human-Animal-Studies trgt.

Der Boulevard hatte schon immer ein groes Herz fr Tiere, grer war der Hass auf die DDR. Die Wissenschaft verbindet jetzt Hass und Herz, Der Irrationalismus erhlt Forschungsgelder.

Die lieen sich im vorliegenden Falle vermutlich mit Leichtigkeit akquirieren, gilt es doch, abscheuliche Neuigkeiten ber den SED-Staat herauszufinden. Das Konferenzprogramm verheit jedenfalls so einiges. Der deutsch-deutsche Schferhund kommt da als Beitrag zur Gewaltgeschichte des Jahrhunderts der Extreme daher, freie Liebe im Schatten der Mauer verspricht das staatssozialistische Mensch-Tier-Verhltnis aus der Grenzperspektive der Wildkaninchen. Und zur kulturellen Semantisierung des Pferdes in der DDR soll es, was auch immer da mit dem Gaul angestellt werden wird, auch was geben.

Semantisieren, das heit eine Bedeutung umschreiben. Angewandt auf akademische Umtriebe wie diese ginge das vielleicht so: auf den Hund gekommene, von Rindviechern praktizierte Eselei. Der Wissenschaftsbetrieb des Sptkapitalismus verballhornt und verdaut sich letzten Endes selbst. Elefantenkot als universelle Metapher zur Beschreibung gegenwrtiger gesellschaftlicher Verhltnisse wre auch so ein Thema, fr das Forschungsgelder zu beantragen sich sicherlich lohnte, (brat)