Aus einem Artikel der „Berliner Zeitung vom 29./30.09.2012

Jochen-Martin Gutsch: „Stasi im Weltall“

„…Ich kann nicht mehr. So viel Osten. So viel Diktatur. Manchmal denke ich schon, ich war selbst bei der Stasi.

Eine Idee für ein schönes Samstagsrätsel könnte lauten: Nennen Sie, lieber Leser, fünf bekannte deutsche Schauspieler, die noch keinen Stasi-Mitarbeiter gespielt haben. Antworten bitte an die Chefredaktion. Zu gewinnen gibt es die DVD-Box „Chronik der Wende" und den Film „Die Frau vom Check­point Charlie".

Im Fernsehen schaue ich übrigens gerne diese Nazi-Dokumentationen. Seit es den Sender ZDF-Kultur gibt, kann ich fast jeden Tag Nazis sehen…

Ich habe alles gesehen: Hitlers Helfer. Hitlers Helfershelfer. Hitlers Krieger. Der Krieg im Osten. Der Krieg im Südosten. Hitlers vegetarische Küche. Bald werden vermutlich die Stasi und die DDR die Nazis ablösen. Die Nazis gelten dann als „auserzählt" und laufen nur noch ab zwei Uhr nachts auf Phoenix. Die neuen Dokumentationen heißen „Ulbricht". Und „Ulbricht und Pieck - Liebe im Politbüro". „Mielke", „Mielkes Frauen", „Die Töchter von Mielkes Frauen", „Die unbekannten Töchter von Mielkes Frauen aus erster Ehe".

Ich habe ein Interview mit Jan Josef Liefers gelesen, der eine Hauptrolle in „Der Turm" spielt. Liefers erzählt von einer Theorie, die er gehört habe: Womöglich ist das Ende der DDR, die Wende und die Wiedervereinigung nur ein großer Plot der Stasi. Die DDR-Wirtschaft war im Arsch, das Land verkommen und kaputt. Deshalb öffnete die Stasi die Grenzen und ließ die naiven Westler die gesamte Rekonstruktion des maroden Ostens bezahlen. Schritt für Schritt werden jetzt wieder die eigenen Leute im West-System installiert, um den Westen zu infiltrieren. Merkel, Gauck. Der Rest wird folgen.

Ich finde, das ist eine wunderbare Geschichte...

Was ich mir auch vorstellen könnte, als neues Stasi-Film-Genre, wäre irgendwas im Weltall. Science Fiction. In Anlehnung an den Film „Iron Sky" könnten führende Stasi-Mitarbeiter auf dem Mond überlebt haben. Ihr Führer heißt Klaus Mielke, geborener Mittag. Er ist 2,40 groß und 2,80 breit durch genmanipuliertes Stasi-Doping-Essen. Er hat Zähne aus Spritzasbest und kann die 100 Meter in 0,32 Sekunden laufen. Um dem Charakter innere Zerrissenheit zu geben, müsste man es so machen, dass Klaus Mielke Kunstmaler in Salzburg werden wollte, aber durch Vater Erich in den Stasi-Scheiß gezwungen wurde. Trotzdem malt Klaus Mielke gerne im Stile des Sozialistischen Surrealismus, man sieht im Film zehnminütige stille Sequenzen…

Natürlich greifen die Stasi-Ärsche die Erde an, die von großherzigen, duften Bürgerrechtlern bewohnt wird, die alle Sandalen aus Hanf tragen und die Erde in eine riesige Umweltbibliothek verwandelt haben. Dann beginnt die große Schlacht um die Erde. Wer gewinnt? Will ich nicht sagen….“