Wolfgang Hartmann

 

12. November 1996

           

Vier Generationen hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS

(Anmerkungen zu Jens Gieseke: Die hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS)

 

 

 

 


Sehr geehrter Herr Giesecke,

hier meine Anmerkungen[1]), wie gestern nach der Diskussion in Dr. Schröters Runde[2] versprochen.

 

Zuvor möchte ich Ihnen noch einmal sagen, daß ich Ihren Handbuch-Beitrag (von relativen Kleinigkeiten abgesehen, darunter die von Klaus Eichner kritisierte Stelle über das Insider-Komitee) für gut gelungen ansehe, weil seriös und sachlich gearbeitet. Das ist in jedem Falle hilfreich beim Umgang mit einem Thema, welches wegen allerlei politischen Zweckbestimmungen und kommerzieller Interessen besonders belastet ist. Günter Gaus hat in seiner Wittenberger Rede[3] in der ihm eigenen präzisen Art die Praxis des Umgangs mit MfS-Akten treffend besprochen. Ihr Beitrag unterscheidet sich wohltuend vom noch vorherrschenden Hauptstrom.

 

Gestern wurde das Problem der Zeitzeugen angesprochen. Es gibt die bekannten Hindernisse. Sie erwähnten richtig, daß man bei der Erforschung vergangener Epochen, für die es keine lebenden Zeitzeugen mehr gibt, den Akten entlang trotzdem zu brauchbaren Erkenntnissen kommen kann. (Vielleicht auch unter hilfreicher Erschließung zeitgenössischer Literatur und Kunst?) Analog wäre auch bei diesem Thema nicht alle Hoffnung verloren. Gewiß. Aber welch’ verschenktes Potential! „Welche verpasste Chance für oral history“, seufzt Günter Gaus. Aber noch nicht vollends. Freilich muß man auch den schlicht als „Täter“ diskriminierten die Gelegenheit geben, ihre damaligen Gründe - denn wir hatten ja welche, wie immer sie beschaffen waren und wie man sie bewerten will - zu nennen und auch mitzuteilen, ob und was ihre Nachdenklichkeit sie seither aus der Geschichte hat lernen lassen.

 

Ihre Bemerkung, weshalb Sie noch nicht früher aktiv bei der Suche nach solchen Gesprächspartnern waren, ist mir völlig verständlich. Zuerst mußten Sie sich ein Orientierungsraster erarbeiten und mit ihm meß- und kritikfähig werden. Diese kluge Haltung wäre den Eiferern anzuraten. Sicherlich bedurfte und bedarf es auch auf der „Gegenseite“, auf „unserer Seite“, eines Reifeprozesses und der Gewinnung von einigem intellektuellen und emotionalen Abstand.

 

Für Sie als Historiker - und überhaupt für Geschichtsschreibung und Analyse - würde bestimmt befreiend sein, wenn endlich der McCarthy-Eifer beendet würde. Aber ich habe keine Illusionen. Trotzdem muß man die seriöse kritische Geschichtsschreibung fördern. Nicht alle der verschiedenartigen Hemmnisse lassen sich mit bloßem guten Willen beseitigen. Insbesondere nicht jene, die mit der sozialen Situation vieler früherer Mitarbeiter zusammenhängen. Das betrifft besonders die noch jüngeren (!). Ich nannte Ihnen gestern einige Faktoren. Viel wäre gewonnen, wenn man in Ihrer Behörde begreifen würde, daß inquisitorische Ambitionen, Eiferertum und Bedienung kommerzieller Medieninteressen kontraproduktiv sind - falls seriöse Geschichtsarbeit und Verstehen (!) der vergangenen Geschichte tatsächlich gewünscht werden. Statt der von Gaus bitter so bezeichneten „zirzensischen Spiele“ mit politischer Ablenkungsfunktion. Derzeit gewinnt man oft den Eindruck, die eine „Abteilung“ säge absichtsvoll oder doch mit willentlicher Inkaufnahme an dem Ast, an dem die andere wirklich Früchte vom Baum der Erkenntnis hervorbringt. Noch jedenfalls wird das öffentlich erkennbare und dominierende Gesicht der Behörde nicht durch die Arbeiten von Süß, Müller-Enbergs, Suckut oder Ihnen und Ihren wissenschaftlichen Kollegen geprägt. Ein differenziertes Bild haben nur wenige  - und können derzeit nur wenige gewinnen.

 

Damit komme ich zu einem zweiten Punkt, den ich gestern nur kurz andeuten konnte. Ich meine das ungemein schwierige Unterfangen, in einer legitimen Spezialuntersuchung, die ja selbst keine enzyklopädische Breite haben kann, den gesamten historischen Kontext zu zeigen. Aber dieser Kontext ist letztlich der Schlüssel, um  Einzelheiten (typische, nicht die der subjektiven Zufälligkeiten) ausleuchten, verstehen und beurteilen zu können. Deshalb muß er wenigstens im Gestus deutlich werden.

 

Man kann alles, was mit der DDR zusammen­hängt, in der Art des Anatomen untersuchen, der die Sektion der Leiche eines Individuums vornimmt. Er wird zu sehr wertvollen und wichtigen Erkenntnissen kommen. Aber wird er auch verstehen, in welchen sozialen (und anderen) Zusammenhängen sein Objekt lebte? Wird er bei der Präparation des Gehirns erken­nen, was in ihm und warum gedacht und entschieden wurde? Und wie sich Emotionen vermittelten? So ziemlich jede politisch relevante Einzelheit ist nicht zu verstehen ohne die vorausgehende faschistische deutsche Geschichte, ohne die Wirkungen und persönlichen Prägungen durch den Aggressionskrieg, mit dem Deutschland ganz Europa überzogen hatte, ohne die verbrannte Erde, ohne den deutschen Rassismus, ohne die KZ und den Holocaust, ohne die auch daraus entspringende besondere Rolle der Sowjetunion für die SBZ und die spätere DDR. Und selbstverständlich nicht ohne die deutsche Arbeiterbewegung, die ganze und nicht nur die kommunistische, nicht ohne den aktiven deutschen Antifaschismus - auch nicht ohne die passiv gebliebenen Opfer.

 

An dem Eigentor, welches Herr Z.[4] sich gestern besorgt hat mit seiner zynischen Erklärung, weshalb im MfS - anders als in den bundesdeutschen Geheimdiensten - kein Nazigeheimdienstler oder Polizist zu finden war, zeigte sich, was da alles intellektuell und politisch unredlich aus dem Bild über die DDR, über die SED und das MfS wegmanipuliert wird. Hier füge ich ein, daß ich dankbar bin, wie Sie in Ihrem Handbuch-Teil die betreffenden Mystifikationen zerstört haben: sachlich den historischen Tatsachen verpflichtet.

 

Das MfS und überhaupt die Sicherheitspolitik der DDR - einschließlich ihrer schlimmen Entgleisungen, Exzesse, Dummheiten, auch der nicht böswilligen Irrtümer - sind nicht zu verstehen ohne den tatsächlichen Inhalt  der System­auseinandersetzung. Der hatte zuerst etwas mit der Eigentumsordnung zu tun, mit den sozialökonomischen und den ideologischen Wurzeln des Faschismus. Mit dem, was nach 1945 sogar im Ahlener Programm der westdeutschen CDU, erst recht in der SPD-Programmatik, als notwendige ordnungspolitische Schlußfolgerung aus dem Faschismus und Tagesforderung deklariert (!) wurde. Den tatsächlichen Inhalt der Systemauseinandersetzung kann man etwa in den Memoiren George Kennans, in den Büchern Brzezinskis und Kissingers, wie überhaupt in der US-Literatur sehr offen bezeichnet finden, mit weniger ideologischer Vernebelung. Eine sehr kräftige Position Skepsis wird gebraucht,  wenn in der ganz frühen BRD deren DDR-Feindschaft mit angeblich bloßem Eintreten für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit begründet wurde - als dort nämlich die eindeutig belasteten Nazis im Staats-, Justiz-, Polizeiapparat und in den Geheimdiensten[5] in kaum gebrochener Kontinuität weiter wirkten. Ich führe hier die Belege nicht an, Sie kennen sie. Werner Höfer, der einstige Naziapologet, belehrte die Nation als menschenrechtlicher Biedermann. Und Theodor Maunz, der einstige Nazijurist und bis zu seinem Tode aktiver Unterstützer des Neonazis Frey und Autor seiner schlimmen „National-Zeitung“, wurde zum bevorzugten Kommentator des Grundgesetzes und seiner - wirklich guten - Regelung der subjektiven Rechte[6]. Ohne all diese Zusammenhänge und viele mehr würde das MfS gleichsam in einem politischen Vakuum angesiedelt. Damit habe ich Ihnen auch einigen Stoff zur Motivationsproblematik notiert. Interessanterweise ist das MfS aus einem entsprechenden Zweig der Volkspolizei hervorgegangen: „Schutz der Volkswirtschaft“.

 

Sie schreiben (S. 66, auch S. 15) sehr schön, genau und richtig über die Angehörigen der eigentlichen Gründergeneration des MfS, die „ihre Motive für den MfS-Dienst aus ihrem Lebensweg“ bezogen. Aber die Bedeutung dieser MfS-Eigenschaft, welche sich in den Biografien manifestiert, wird erst erkennbar und bewertbar, wenn das Gegenbild dazu gezeigt wird! Sie weisen auch auf die naturgemäß beschränkte „Zahl ... kampferprobter Genossen“ hin und nennen für 1962 Zahlen. Daraus läßt sich errechnen, daß 1962 - also schon 17 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus - immerhin noch 2,1% der MfS-Mitarbeiter anerkannte Verfolgte des Naziregimes waren. Ich glaube, daß dreizehn Jahre zuvor bei Gründung der BRD, als die altersbedingten Grenzen noch nicht gravierend waren, keine einzige westdeutsche Staatsdienststelle einen solchen Wert erreicht haben dürfte. Der Verfassungsschutz des Bundes brachte es bei seiner Gründung auf einen einzigen leitenden Mann mit antifaschistischer Biografie[7]. Und dabei muß gesehen werden, daß diese 2,1% im MfS in den Leitungspositionen konzentriert waren. Aber immerhin, das ist des Dankes wert, Sie benennen die antifaschistischen Biografien - und deshalb durfte das Antifa-Erbe auch „beansprucht“ (S. 15.) werden.

 

Diese Überlegungen führen mich an meinen dritten Punkt, den ich gestern nur kurz skizzieren konnte.

 

Sie sprachen über die „Generationen“, etwas ausführlicher noch als im Buch. Dort rechnen Sie zur Gründergeneration drei Gruppen: die „alten Kommunisten...“, die „Wehrmachts­angehörigen“ mit NKFD-Hintergrund in der SU-Kriegsgefangenschaft[8], sodann die „jungen ... ‘unbelasteten’ Kräfte“. So kann man es sehen. Naturalistisch beschrieben war es auch so. Dennoch würde ich eine andere Gruppierung vornehmen.

 

Mit dem Blick auf die Gesamtgeschichte des MfS würde ich vier politische Generationen unterscheiden. Sie haben nämlich eine nach Sozialisation, nach Funktionen und nach dem Zeitraum ihrer Entfaltungsmöglichkeit jeweils eine eigene Spezifik,[9]:

 

1.    die eigentliche Gründergeneration

2.    die „Aufbruchgeneration“ (die „Aula-Genera­tion“ ist eine ihrer Komponenten)

3.    die Generation der „Hineingeborenen“,

 schließlich

4.    die späte kritische Generation[10].

 

Diese vier politischen Generationen lassen sich selbstverständlich nicht reinlich scheiden. Es gibt viele Übergänge und die von mir genannten Merkmale sind Tendenzaussagen - keine absoluten Kriterien.[11]

 

Die eigentliche Gründergeneration des MfS ist von Ihnen, wie schon erwähnt, gut skizziert. Sie ist in ihren Merkmalen eng verwandt mit der Gründergeneration der DDR überhaupt. Allerdings etwas verengter. Denn während bei jener des MfS ausschließlich Kommunisten tätig waren, müssen zur DDR-Gründergeneration zweifellos viele frühere Sozialdemokraten, Angehörige anderer linker Formationen, demokratische Liberale und christdemokratische Persönlichkeiten gerechnet werden (und zwar nicht nur prominente), sowie schließlich die große Gruppierung der aus äußerer und innerer Emigration zurückgekehrten linken und linksbürgerlichen Intellektuellen.

Eine Besonderheit ist sicher, daß man zur MfS-Gründergeneration wohl auch die sowjetischen Berater rechnen kann. Jedenfalls nach ihrer faktischen Rolle, die auch akzeptiert und nicht als aufgedrückt empfunden wurde. In mancherlei Hinsicht war die deutsche Gründergeneration nicht ohne geheimdienstliche Erfahrung. Die stammte aus dem von Ihnen erwähnten illegalen Militärapparat der KPD, aus den späteren kommunistisch geführten Aufklärungsgruppierungen[12], aus dem illegalen und konspirativ organisierten Antifa-Widerstandskampf sowie aus der Teilnahme an Partisanenbewegungen gegen die deutsche Okkupation. In diesem Erfahrungsfundus, zu dem viele erlittene Verluste gehören, findet die Strenge der Konspiration im MfS ihre spezifische Erklärung.

 

Ich spreche von der „eigentlichen“ Gründergeneration, weil sie die Leitungsfunktionen besetzte und den Aufbau des MfS bestimmte.  Sie nennen wichtige Namen (S. 15). Ich würde noch einige hinzufügen, ganz besonders Richard Stahlmann[13] und Robert Korb[14] - hochgeachtete Genossen mit legendärem Ruf. Über Stahlmann schrieb Stephan Heym vor vielen Jahren in einer amerikanischen Zeitung, er (und einige andere Genossen) hätten die - frühe -  DDR mehr geprägt, als z.B. Ulbricht.

Die beiden anderen Gruppen, die von Ihnen der Gründergeneration zugerechnet werden, sehe ich als eine eigene Generation. Ich nenne sie die Aufbruch-Generation. Sie war nicht MfS-spezifisch, sondern DDR-typisch. In sich war sie natürlich nicht homogen. Aber sie besaß ein gemeinsames Merkmal gegenüber der eigentlichen Gründergeneration und mit dieser zusammen eines gegenüber der nächsten politischen Nachfolgegeneration.

 

Die Aufbruch-Generation war nicht primär von den alten Idealen und Kämpfen der Arbeiterbewegung und vom originären antifaschistischen Kampf (wie etwa bei den Interbrigadisten) geprägt, sondern von den Eindrücken und Erlebnissen des Krieges - an den Fronten und in der „Heimat“. Mit dem Krieg, mit der Befreiung und mit den danach einsetzenden Auseinandersetzungen über den Faschismus hat ihre politische Prägung begonnen (!); hier waren ihre Grund­erlebnisse, ihre biografischen Weichenstellungen angesiedelt. Die Prägungen begannen oft noch eher „unpolitisch“ durch das Erlebnis der Schrecklichkeiten des Krieges und zunehmend der deutschen „Niederlagen“. Meist dann erst folgte die Auseinandersetzung mit der brutalen deutschen Barbarei im In- und Ausland. Nachdenklichkeit über die Ursachen schließlich führte zur Lösung vom Faschismus und zum Übergang auf aktive antifaschistisch-demo­kratische Positionen. Diese Prozesse begannen an den Fronten, in der Kriegsgefangenschaft (nicht nur in sowjetischer, dort aber durch die Arbeit deutscher Antifaschisten befördert), in den Bombennächten. Sie manifestierten sich schon während des Krieges in den Widerstandsformen. Sie entfalteten sich nach der Befreiung schließlich - jedenfalls in der SBZ -  mit den zahllosen, leidenschaftlichen und oft nächtelangen offenen und auch öffentlichen Auseinandersetzungen. Nicht zuletzt auch durch die Wirkung antifaschistischer Literatur und Kunst[15]. Ich rechne mich auch zu dieser Generation, die unmittelbar nach 1945 rasch an Stärke gewann und hundertausende engagierte junge Leute in der FDJ, in der SED und anderswo aktiv werden ließ. Ich habe immer Brechts Lied als das Lied unserer Generation empfunden:

 

„Fort mit den Trümmern,

Und was Neues hingebaut!

Um uns selber müssen wir uns selber kümmern.

Und heraus gegen uns, wer sich traut!“

 

Die „Aula-Generation“ - nach Hermann Kants Roman - gehört zu dieser Formation. Oft wird - unfreiwillig gefördert durch die Kant-Rezeption - diese Generation (besonders soweit es junge Leute waren) als Generation des sozialen Aufstiegs, der Mobilität beschrieben - und damit entpolitisierend abgewertet. Die Reduktion auf den mit der Beseitigung der materiellen (!) sozialen Schranken erfolgenden „Aufstieg“ ist falsch. Wie falsch, ist schnell erkennbar, wenn man die damaligen Widerstände zur Verteidigung der bürgerlichen Privilegien in Betracht zieht (Kant hat sie in der „Aula“ trefflich beschrieben) und die Forderungen der westdeutschen 68er auf Demokratisierung des Zugangs zum Bildungswesen hinzunimmt sowie schließlich das heute „gesamtdeutsch“ sich ankündigende und sich beschleunigende soziale roll back im Bildungswesen. Ich erwähne dies, weil es für die von Ihnen untersuchte Motivationsproblematik einen wichtigen politischen und sozialen Inhalt beleuchtet. Diese Eigenschaften der DDR (wie Analoges im Gesundheitswesen) waren uns unbedingt verteidigenswert. Unsere sehr eigene Spezifik der Sozialisation verband sich dann mit den Idealen der „alten Kommunisten“, und ich möchte die linken Sozialdemokraten, die demokratischen Liberalen und die christlichen Sozialisten hinzufügen (obwohl sich davon leider viel verlor). Deshalb sprechen Sie richtig von den persönlichen Vorbildern, ich fühle mich da von Ihnen auch richtig zitiert (S.67).

 

Unsere, wie auch die Generation unserer politischen Väter und Vorbilder, unterschied von der nächsten politischen Generation etwas sehr Fundamentales. Wir konnten singen „...Und was Neues hingebaut“ - es war wirklich neu, es war buchstäblich revolutionär im Entwurf und im Wollen. Erst die spätere Evolution führte zu einer anderen und äußerst widerspruchsvollen Qualität. Aber das ist momentan nicht das Thema, sondern die Generationsspezifik.

 

Die nächste, die dritte Generation war dann schon eine der „Hineingeborenen“.  Das ist ihr Hauptmerkmal. Sie fand relativ stabilisierte Verhältnisse vor und - leider - auch einen konservativ, schließlich steril werdenden politischen Habitus in den Apparaten. Die Hineingeborenen konnten kaum noch „Neues“ schaffen. Ich gestatte mir die Oberflächlichkeit und sage, sie konnten eher bloß verwalten und ihnen wurde auch nicht wirklich erlaubt, wieder revolutionär: will heißen kreativ bei der Lösung gesellschaftlicher Widersprüche zu sein. Nach meiner sich verstärkenden Einsicht hat das MfS objektiv in der Art der Wahrnehmung seiner legitimen inneren (und äußeren) Schutzfunktion eher kontraproduktiv gewirkt. Ich variiere eine bekannte Sentenz Gustav Heinemanns über sich selbst ins Seitenverkehrte: Wir haben die DDR nicht verändert und sind uns deshalb untreu geworden. (Weshalb dies so ging, ist eine andere und höchst spannende Frage.)

 

Damit hängt auch zusammen, daß jene Generation kaum noch Gelegenheiten bekam, wirkliche Bewährungssituationen zu bestehen, Konflikte zu erleben und auszutragen. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.) Politische Motivationen waren deshalb eher erlernte, als in Konflikten mit Qualen, Schweiß, Mut und charakterprägend erarbeitete. Kantige Charaktere, wie sie für profilierte alte Genossen fast typisch waren[16], wurden kaum noch geformt. Dabei hatte diese Generation ein Merkmal, welches ihren Vorgängern - in ihrer Mehrheit wohl - abging. Sie verfügte über eine solide Allgemeinbildung und über eine solide Berufs-, Fachschul- oder akademische Ausbildung. Möglicherweise, aber das vermag ich nicht genau zu beurteilen, es ist nur ein Gespür, ging ihr jene kulturelle Entdeckerfreude und Aneignungsgier ab, welche vielen der Vorgängergeneration eigen war.

 

Für das MfS kam allerdings etwas Spezifisches hinzu. In ihrem Handbuch-Beitrag wird es berührt, wo Sie auf die Mitarbeiterwerbung aus dem Reservoir der „MfS-Familien“ hinweisen. Wie immer man auch die Ursachen dieses Momentes der Kaderpolitik sehen mag, so bewirkte es jedenfalls eine tendenziell äußerst problematische Verengung der mitgebrachten sozialen und kulturellen Erfahrungen und ihrer kreativen Potenz. Diese Tendenz wurde bestärkt, wenn Mitarbeiter für das MfS nicht erst dann rekrutiert wurden, nachdem sie in der normalen alltäglichen DDR-Wirklichkeit schon Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt hatten. Es wurden immer mehr „Laufbahnen“ gelegt, die direkt von der EOS über die Fachschule oder Universität, oder gar auf dem MfS-eigenen Ausbildungsweg der Juristischen Hochschule, direkt in den Apparat führten. Das konnte nur die Tendenz geheimdienstlicher „Fachidiotie“ verstärken, um Marx’ trefflichen Begriff zu nutzen. Wenn ich heute veröffentlichte MfS-Originaldokumente über den wissenschaftlichen und kulturellen Bereich der DDR lese, erschrecke ich über die darin deutlichen Reflexe solcher kaderpolitischen Degeneration. Ein vorsorglich mißtrauenserfülltes Sicherheitsverständnis[17] war auf Kosten des allgemeinen sozialen, fachlichen und kulturellen Reichtums zu einem verinnerlichten Fetisch geworden. Ich möchte diese Generation nicht pauschal denunzieren,  aber ich beschreibe eine soziale Erscheinung. Dazu gehört, daß sich in dieser Generation wohl am meisten Kleinbürgerlichkeit und Opportunismus verbreiten konnten, mitsamt solchen Erscheinungen wie Erfolgshascherei, mangelnde Zivilcourage, Resignation u. dgl. Das sind nur Impressionen, sie bedürften genauer soziologischer Untersuchung.

 

Nun zur kritischen Generation, der letzten des MfS. Die Übergänge zu ihr scheinen mir fließen­der zu sein, als die anderen Übergänge zwischen den Generationen. Vermutlich war die Typik der vierten noch ganz am Anfang eines in Gang gekommenen Emanzipationsprozesses. Auch das ist nicht MfS-spezfisch sondern DDR-typisch. Die nachwachsende Generation muckte auf gegen das, was sie als soziale Langeweile, als Gängelung und Bevormundung, als Phraseologie empfand. Sie meldete erneut einen Anspruch an, den die Partei in den 60er Jahren im „Jugendkommunique des Politbüros“ schon einmal entdeckt und positiv aufgegriffen hatte, daß nämlich „jede Generation auf einem eigenen Wege zum Sozialismus“ komme. Die nachwachsende Generation - soweit sie sich mit dem Sozialismusversuch und mit der DDR identifizierte oder zumindest aktiv loyal war - verlor rasch die Gläubigkeit. Sie las begeistert Kuczynskis „Dialog mit dem Urenkel“ und Hermann Kants satirisch-ironische Auseinandersetzung mit der DDR-Wirklichkeit[18], Christa Wolf und Christoph Hein. Sie sog sich bei den sowjetischen Autoren Gelman, Aitmatow, Granin kritisches antistalinistisches Denken ein. Markus Wolfs „Troika“ (obwohl  offiziell stigmatisiert) wurde als programmatische Schrift gelesen, auch als Lehrbuch der Toleranz. Die jungen MfS-Mitarbeiter unterschieden sich nicht von ihren zivilen Generationsgenossen. Die Verwerfungen wurden mit Gorbatschows Amtsantritt täglich offenkundiger und für konservativ erstarrte Leiter immer weniger beherrschbar. Die jungen Genossen waren es dann auch, die im Zusammenhang mit der faktischen Parteiüberprüfung im Sommer/Herbst zuerst zu Protokoll gaben, daß sie die Politik der dahinwurstelnden SED-Führung nicht mehr unterstützten. Von ihnen ging die Initiative zu den „inneren“ Demonstrationen im Hof des Berliner MfS-Areals aus und sie schrieben die Wandzeitungen. Die DDR ging schneller zu Ende, als der Emanzipationsprozess der letzten MfS-Genera­tion ausreifen und zu einem gestaltenden Faktor werden konnte. [19]

 

Ich habe noch ein paar Einzelbemerkungen.

 

Zuerst einmal eine einfach zustimmende. Mir scheint, Sie haben nun endgültig diese schwachsinnige Vorstellung zerstört, die OibE seien eine von langer Hand geplante Truppe für eine „Überlebens­strategie“ des MfS gewesen, wie z.B. von Schwenke und anderen Wichtigtuern mit Inbrunst behauptet worden war.

 

Sodann zu den sowjetischen Beratern. Sie hatten einen großen Einfluß. Der rührte auch aus der früheren Besatzungsfunktion, aber nicht nur. Deshalb bin ich dagegen, sich hinter ihnen zu verstecken. Denn erstens waren sie, wie schon erwähnt, akzeptiert. Zweitens - auch unter Beachtung noch nicht gewachsener eigener Kritikfähigkeit - entheben sie niemanden von der eigener Verantwortung in den eigenen Spielräumen, mögen die bis Ende der 50er Jahre auch eng gewesen sein. Gewiß hat sich das MfS mit dem Realprozess der Souveräntitätsgewinnung der DDR auch von ihnen emanzipiert. Wichtig aber wäre die Frage, wie der XX. KPdSU-Parteitag verarbeitet wurde. Denn immerhin war die (schon von Dzierzynski geahnte) Entartung des Vorbilds Tscheka offenbar geworden. Mielkes Position scheint da klar - aber wie war es auf den Mitarbeiter-Ebenen darunter?

 

Zu den statistischen Untersuchungen - insbesondere der Mitarbeiterzahlen - möchte ich das gestern Gesagte bekräftigen und etwas hinzufügen. Es ist völlig legitim, das MfS auch als statistische Gesamtheit zu zeigen. Legitim allein schon deshalb, weil - wie mir auch aus systemimmanenten Gründen scheint - unvernünftigerweise das überzogene Sicherheitsdenken diese Zentralisation hervorgebracht hat und nach dem XX. Parteitag der KPdSU dabei blieb. Dennoch: das MfS war ein Konglomerat vieler Dienste. Und nicht einmal alle seine Teilsysteme mußten notwendigerweise einen geheimdienstlichen Charakter haben. Zum Konglomerat MfS gehörten - freilich wegen der mißtrauischen Sicherheitskonzeption - ausgesprochen zivile Einrichtungen. In der Diskussion wurden gestern Beispiele genannt. Die Differenziertheit ist in der Ihrem Handbuchteil beigelegten Mitarbeiterstatistik enthalten. Aber leider eher versteckt, nur dem gezielten Sucher und Fachmann erkennbar. Sie bedürfte deshalb auch grafischer Aufgliederung nach den Diensten. Und der verbalen analytischen Erläuterung. Dann ließe sich die von mir gestern geforderte genauere Darstellung der Korrelation mit äußeren und inneren Entwicklung und Ereignissen besser zeigen, auf die Sie verdienstvollerweise schon kursorisch eingegangen sind (S.41f.). In diesem Zusammenhang erscheint mir Ihre Bemerkung über das schnellere Wachstum des Apparates „in den Zeiten der internationalen Entspannung und zunehmender Anerkennung der DDR“ hochinteressant (S.43). Aber dies bedürfte der genaueren analytischen Prüfung, weil genau in dieser Periode - auch ohne Überzogenheiten des Sicherheitsdenkens - eine Vergrößerung der speziellen Apparate objektiv geboten war (HA II, Terrorabwehr, Grenzkontrollen, PS u.a.).

 

Schließlich zum Elite-Verständnis. Bevor man darüber rechtet, wäre der Begriff zu bestimmen. Ich möchte für die Mehrheit der MfS-Mitarbeiter behaupten, daß sie sich nicht als etwas herausgehoben Besonderes, als eine „auserwählte“ besondere Elite verstanden und gefühlt haben, sondern tatsächlich als Dienende und oft als Berufsrevolutionäre. In der DDR - anders als in der BRD, wo der Elitebegriff mit vielerlei Bedeutungsinhalten benutzt wird - war der Elitebegriff negativ besetzt. Er wurde als Merkmal mit den durch Besitz begründeten Herrschafts- und Bildungsprivilegien verstanden, auch in Verbindung den nazistischen elitären Auffassungen. Genau in diesem Sinne gab es kein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer privilegierten Elite. Und keine daraus abgeleiteten sozialen Ansprüche. Als ich 1964 HVA-Mitarbeiter wurde, erklärte mir bei Arbeitsbeginn mein damaliger Chef, ein Oberst, mahnend: Ich solle ja nicht auf den Gedanken kommen, nun einer „Elite“ anzugehören, dann wäre ich an der falschen Stelle. Er sprach mir aus dem Herzen, es war auch mein Verständnis. Zu solchem Selbstverständnis steht nicht in Widerspruch, wenn sich Mitarbeiter als Berufsrevolutionäre verstanden, wenn sie sich als (Mit-)Subjekt geschichtlicher Prozesse sahen und es als verpflichtende Ehre ansahen, Mitarbeiter des MfS zu sein. „Elite“ wurde als etwas stark undemokratisches empfunden, im Gegensatz zu unseren Vorstellungen von sozialer Gleichheit. Die DDR-typische Ablehnung von so verstandenen „Eliten“ erstreckte sich auf jede Verknüpfung der Begriffes, schon des bloßen Wortes mit der DDR-Wirklichkeit. Wir waren darin sowohl übersensibel als auch undifferenziert. Dabei wäre der Begriff der Funktionselite akzeptabel gewesen - und natürlich gab es eine Funktionselite in der DDR. Diese war auch von Wolfgang Thierse gemeint, als er zynisch vom „Austausch der Eliten“ sprach. Ich möchte nicht verneinen, daß es natürlich auch im MfS Leute gab, auf die der Satz anwendbar ist, daß Macht korrumpiere - und auch Privilegien für höhere Ränge (wobei man trotz aller Kritik nicht in eine spießige Kammerdienerperspektive abgleiten sollte).

 

Ich lege Ihnen, sozusagen als authentisches Dokument wenigstens meines Selbstverständnisses, einen Text bei,  der über meine damalige Selbsteinordnung in der Generationenfrage Auskunft gibt, zusammen mit dem, was Sie aus meinem Artikel „Ja aber...“[20] zitiert haben. Dieser Text (1987 verfaßt) ist dem Vorwort einer längeren wissenschaftlichen Arbeit entnommen, die ich damals in einem bestimmten dienstlichen Zusammenhang geschrieben habe.

 

* * * * *

 

Anhang:

Auszug aus einem Text von 1987:

 

„...

Zum Lebensglück des Verfassers gehört, daß zwei Jahrzehnte lang seine Lehrer und unmit­telbaren Leiter bewährte, kampferprobte Antifa­schisten und hochanspruchsvolle Kom­muni­sten waren. Unter den verschiedensten Bedingungen und Situationen hatte jeder von ihnen illegal gegen den Faschismus gekämpft. Dieses "Ensemble" von Lehrern und Leitern erzog den Verfasser:

 

Als Antifaschisten vermittelten sie ihm eine rich­tige innere Einstellung zu möglichen Bündnis­partnern und einen Widerwillen gegen jede Sektiererei - wichtige Eigenschaften für opera­tives Arbeiten.

 

Als sehr ausgeprägte, unverwechselbare Persönlichkeiten lehrten sie, Individualität zu schät­zen, Toleranz zu üben, sowie opportunistische Anpasser zu verabscheuen.

 

Als ehemalige illegale Kämpfer vermittelten sie ihm eine richtige Einstellung zu illegalen For­men des Klassenkampfes und so auch schon ein gewisses Verständnis für das Denken in operativen Kategorien.

 

Sie lehrten noch vieles mehr - mir kam es auf die Nennung einiger besonderer Momente an, die Einfluß auf mein Vorbereitetsein für operative Arbeit hatten. Und dazu gehört vor allem auch die von diesen Persönlichkeiten abge­sehene - freilich nicht immer sogleich reflek­tierte - Fähigkeit des Umgangs mit anderen Menschen und der Menschenführung. Das sind Zielbestimmtheit und Prinzipienfestigkeit, gepaart mit Elastizität, Vertrauen und Toleranz, Solidarität. Und nicht zuletzt habe ich von meinen Lehrern und Leitern die Wertschätzung der Kunst und Literatur als Erkenntnisquelle und Überzeugungskraft ‘abgesehen’.

 

Der politischen Schule dieser Genossen bin ich dankbar, weil sie Neugier und Phantasie nicht
unterdrückte, sondern forderte und förderte, wie auch die Selbständigkeit des Urteils und des Handelns. Lücken konnte ich so leichter und unbefangen schließen.

 

Indem ich aus sachlichem Grund auf diese ‘Wirkungsfaktoren’ in meinem Leben und für mein operatives Denken und Arbeiten hinweise, möchte ich dieser Freunde und Genossen dankend gedenken: Adolf Edelberg (Leningrad) und Karl Kneschke (†), Hugo Bergmann (†), Gerhard Bondi (†), Franz Dahlem (†), Wilhelm Girnus (†), Klaus Gysi, Gerhard Harig (†), Elias Kasswan, Pfarrer Karl Kleinschmidt (†), Jürgen Kuczynski, Victor Klemperer (†) und Kurt Win­ter(†).

...“

 



[1] Nachträgliche Einfügung. Die Anmerkungen betreffen: Jens Gieseke: Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit; in: Anatomie der Staatssicherheit - Geschichte, Struktur und Methoden - MfS-Handbuch; Hg. Klaus-Dietmar Henke u.a.; Berlin 1995

[2] Nachträgliche Einfügung: Gemeint ist der Gesprächskreis - Lichtenberger ‘Zwie Gespräch’ -, der seit mehreren Jahren monatlich einmal Fragen der Sicherheitspolitik der DDR und verwandte Themen erörtert. Die Gespräche werden von Oberkonsistorialrat Dr. Ulrich Schröter moderiert. Teilnehmer sind Kirchenleute, Bürgerrechtler, frühere MfS-Mitarbeiter, von Maßnahmen des MfS betroffen gewesene Bürger und Gäste. Jens Gieseke hat am 11.11.1996 über seine Forschungen zu den hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS referiert.

[3] abgedruckt in der Berliner Zeitung vom 9.11.96

[4] Nachträgliche Einfügung: Zu der von Jens Gieseke mitgeteilten Feststellung der Forschung, daß in das MfS keine Nazifachleute und nazistische Polizeikräfte aufgenommen wurden, hatte Herr Z. ausgeführt, das erkläre sich doch ganz „natürlich“ weil „zwei totalitären Systeme“ sich in gegenseitiger Feindschaft ausschließen würden. Ihm wurde von mehreren Seiten entgegengehalten, daß er in dieser Logik das System BRD mit dem totalitären System der Nazis für kompatibel erkläre - angesichts der Übernahme belasteten Nazibeamter für Justiz, Polizei und Geheimdienste und des „131er Gesetzes“ nicht rundweg abwegig.

[5] Sie kennen sicherlich die vom Insider-Komitee besorgte tabellarische „Übersicht für den Vergleich des Führungspersonals der Geheimdienste der DDR und der BRD - nur Gründergeneration“. Die überarbeitete und korrigierte Fassung in: „Duell im Dunkeln - Spionage und Gegenspionage im geteilten Deutschland“; IK-Korr Spezial Nr. 3, Berlin 1994, S. 26f

[6] Wenn man davon absieht, daß Art. 1 GG nur die „staatliche Gewalt“ zum Schutz der Würde des Menschen verpflichtet und daß im übrigen eine Privilegierung der „Deutschstämmigen“ erfolgt.

[7] Dr. Otto John, der erste Präsident

[8] Die von Ihnen genannten früheren KPD-Mitglieder, welche als gezogene Soldaten dann (nicht nur an der Ostfront) übergelaufen sind, würde ich zu Ihrer ersten Gruppe rechnen.

[9] Man müßte natürlich allerlei über jeweilige Differenziertheit dieser Generationen etwas sagen, z.B. gemessen an ihrer Verarbeitung des XX. Parteitages der KPdSU, darauf gehe ich hier nicht ein.

[10] Von der ersten Generation war m. W. bis zum Ende der DDR nur noch Erich Mielke im Dienst. Anders bei der zweiten Generation, deren Angehörige inzwischen die oberen Dienststellungen besetzten, auf der oberen mittleren Ebene gefolgt von der dritten Generation. Die vierte war vielleicht erst bis zur oberen unteren Ebene „vorgedrungen“ - alles tendenzielle Aussagen. Für die zweite Generation z.B. charakteristisch die kurze Selbstvorstellung Werner Großmanns in der Anhörung der Alternativen Enquete-Kommission; abgedruckt in IK-Korr-spezial Nr. 3, S. 4; s.o. Fn.5

[11] Dieser Satz ist eine spätere Einfügung zur Vermeidung mißverständlicher Vereinfachungen.

[12] „Rote Kapelle“, die Netze Richard Sorges, Sándor Radós, Ruth Werners u.a.

[13] vgl. dazu den von Ihnen zitierten Heinz Günther: Wie Spione gemacht wurden; S. 65f., sowie „Aus dem Leben eines Revolutionärs - Erinnerungen an Richard Stahlmann“; MfS-Selbstverlag 1986

[14] vgl.: „’Menschen, ich habe euch geliebt, seid wachsam!’ - Erinnerungen an Robert Korb“; MfS-Selbstverlag 1981

[15] Anna Seghers „Das siebte Kreuz“ möge für viele Bücher, DEFA-Filme und Hörspiele stehen.

[16] Prominente Prototypen: Ackermann, Girnus, Gysi, Hernnstadt, Koenen, Oelßner, Selbmann, Stahlmann, Wendt, Zaisser  - auch Ulbricht

[17] Dieses Moment spielte von Anfang an keine geringe Rolle in der allgemeinen Kaderpolitik der SED: siehe die Restriktionen z.B. gegen „Westemigranten“ (man bedenke den Begriff!), gegen Menschen, die in westlicher Kriegsgefangenschaft waren, usw. Dieses spießige prophylaktische Mißtrauen - der alten BRD auch nicht völlig fremd - führte z.T. im MfS zu grotesken Konstellationen und es beförderte sowohl doppelbödiges Verhalten als auch persönlichkeitsverbiegenden opportunistischen Gehorsam.

[18] „Der dritte Nagel“ (1981); „Bronzezeit“ (1986) und „Die Summe“ (1987)

[19] Nachträgliche Einfügung: In einem Brief vom 3.12.1996 äußert sich der frühere MA He.Mn.: Eingedenk der vorgenommenen Relativierug als Tendenzaussagen entspreche die Bestimmung der vier politischen Generationen auch seiner Beobachtung. Die Spezifik der vierten Gruppe im MfS sieht er so: „Die vierte Gruppe konnte noch nicht lange genug verformt werden. Sie unterschied sich meiner Ansicht nach vor allem dadurch von der 3. Generation. Dieser noch nicht lange währende Einfluß des Apparates und die sich zuspitzenden Krisenprozesse gaben dieser Generation die Chance, eine kritische Generation sein zu können.“

[20] Wolfgang Hartmann: „Immer noch ‘Ja, aber’ oder Der arge Weg der Erkenntnis“; in: „Zwie Gespräch“, Nr. 17, S. 15f.