Manfred Liebscher "Im Paradies der Erinnerungen..." 

 

Aus dem Vorwort von Gisela Karau

 

Eigentlich braucht dieses Buch kein Vorwort. Es erschließt sich dem Leser unkommentiert. Der Verfasser hat unterschiedliche Berufe ausgeübt, war Knecht beim Bauern, Bergarbeiter in der Wismut, lernte Sattler, wurde Volkspolizist und schließlich Offizier des Ministeriums für Staatssicherheit. Es war ihm nie in den Sinn gekommen, sich als Schriftsteller zu versuchen, obwohl er Talent dazu besitzt. Er kann schreiben, weil er denken kann.

Manfred Liebscher prüft den Wert seiner Erinnerungen, überzeugt, dass sein Dasein, sein Hiersein Spuren hinterlässt, "so wie die Papillarlinien der Finger", sagt er als Kriminalist. Er besteht darauf, dass die Familiengeschichten der kleinen Leute nicht weniger spannend sind als die der Monarchen. Als wir uns Anfang der neunziger Jahre zum ersten Mal begegneten, schilderte er mir die Überlegungen, die der Dresdener Fürstenzug bei ihm ausgelöst hat, jene überdimensionale Darstellung der Ahnenreihe des sächsischen Adels weckte in dem unehelich geborenen Häuslersohn die trotzige Frage nach den eigenen Vorfahren.

Sein Buch ist wohltuend unaufgeregt, doch von einem stillen Schmerz durchzogen über den Untergang der Republik, der Heimat der kleinen Leute. Er hat es für seine Enkel gedacht. Auch andere werden es mit Gewinn lesen, meine ich.