Hans Becker: DER SONDERERMITTLER. Als Kriminalist im Dienste des MfS

ISBN 978-3-95841-112-8  edition berolina, Berlin 2020,345 Seiten, 19,99 Euro

Hans Becker treibt nicht die Fantasie eines Schriftstellers,  um seine Leser zu fesseln. Er ist der nüchterne Kriminalist. Er berichtet aus dem Leben, ohne Besserwisserei, ohne zu moralisieren, dem Leben zugewandt. Er rückt das normale Menschsein in den Mittelpunkt, das Handeln von Tätern und stellt resümierend fest, „dass ein Mensch nicht wie der andere wäre und gleich gar kein besserer Mensch dadurch sei, das er Mitarbeiter des MfS, der NVA oder Parteifunktionär wäre, sondern das er auch mit einem Dienstausweis in der Tasche oder nach vielen Verdiensten im beruflichen Leben in einer schwierigen Konfliktsituation manchmal nicht so handeln würde, wie man es von ihm erwartete, sondern wie jeder andere Mensch voller Nöte und Ängste.“. (S. 98) Als Ermittler seit 1967 in der HA IX/7 tätig und damit als „Sonderermittler“ gemeinsam mit anderen Genossinnen und Genossen und mit den Kriminalisten der Morduntersuchungskommissionen der Volkspolizei in der Republik untersuchte er schwere Straftaten und Unglücke. Er berichtet sachlich vom Geschehen, erhellt die Herangehensweise der beteiligten Kriminalisten an die Aufklärung, schildert die Erfolge und benennt die Niederlagen. Eine aufreibende Zeit, an die sich so mancher erinnert,  mit der Untersuchung von Morden in und um Eberswalde, Diebstählen in Museen, Einbrüchen, Katastrophen wie in Langenweddingen, Unfälle in der DDR, unter anderem eine Kollision eines Fahrzeuges der NVA mit der Militärverbindungsmission Frankreichs in einem Sperrgebiet,  Tötungsdelikten unter Beteiligung sowjetischer Soldaten, Transitleichen, Selbstmorden. Das tut er, im Gegensatz zu so manchem Elaborat , dass in die Öffentlichkeit per Bild, Ton und Schrift gelangte als Kriminalist, an den Tathergang gebunden, an Tatmotive und Bedingungen, der Wahrheit verpflichtet.  Sein Credo ist, als einer der letzten lebenden an diesen Untersuchungen Beteiligten vom wirklichen Geschehen zu berichten. Er ist Kriminalist der DDR, Offizier im MfS und schreibt als solcher. Ihm dafür unser Dank!

K-D J.