Erinnerung an verdammte Kommunisten

IM Journalist


Von Klaus Eichner

Wie konnte aus dem Hitlerjungen Heinz aus armem  Elternhaus ein überzeugter Kommunist werden? Zumal er die Ratschläge von Kommunisten aus West und Ost nicht selten mit dem Stoßseufzer »verdammte Kommunisten« quittierte. Heinz Stuckmann hat sich mit viel Mühe, Geduld und abnehmender Distanz sein eigenes Bild über die DDR erarbeitet - unterstützt von Mitarbeitern der HVA. Dabei hat er seine kritische Distanz zu den Schwachstellen der DDR behalten und war Bundesbürger geblieben, mit Porsche, Landsitz in der Provence und Gut Schillingsrott am Rande von Köln, dem Sitz der von ihm gegründeten »Kölner Schule - Institut für Publizistik e.V.«, aus der ganze Generationen gut ausgebildeter Journalisten hervorgingen, die heute in führenden Positionen der politischen und Medienwelt der Bundesrepublik wirken.

Die Leitung dieser Journalistenschule gerät denn auch zum Hauptanklagepunkt nach seiner Enttarnung als inoffizieller Mitarbeiter »Dietrich« der Abteilung X (»politisch-aktive Maßnahmen») der HVA. Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft werfen ihm vor, er habe bis zu 40 Studenten der Schule, einschließlich seiner beiden Töchter und einer Buchhal­tungshilfe als Perspektivagenten der HVA zugeführt. Bei seiner Festnahme erinnert sich Stuckmann an die Instruktionen seiner Partner von der HVA: »Name, Vorname, Geburtsdatum - Kein Wort mehr. Schweigen. Abwarten.- Was wissen die Er hält sich dran. Und erinnert sich heute nicht ohne Schadenfreude, wie unprofessionelle Ermittlungen und teilweise absurde Vorhaltungen des BKA sich Stück für Stück als Flop erweisen, bis zum Schluss in der Gerichtsverhandlung keiner der Tatvorwürfe bewiesen werden konnte. Da ihn aber die Medien bereits zum Super-Spion hochstilisiert hatten, musste das Oberlandesgericht Düsseldorf der »Volksmeinung« Genüge tun und verurteilte ihn zu einem Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung. Die beruflichen und materiellen Existenzbedingungen von Stuckmann indes somit zerstört. Viele Absolventen seiner Schule wandten sich von ihm ab, aber nicht wenige standen ihm bei, haben ihm ihrer Solidarität versichert. Diese ging jedoch nicht so weit, dass sie in den von ihm als Preis für eine Kiste guten Rotweins geforderten trotzigen Ruf »Hurra, hurra, die HVA« einstimmten. Den Rotwein bekamen sie dennoch.

 

Mag mancher über solche Anekdoten den Kopf schütteln, andere Episoden muten wie ein Kommentar zu heutiger hitziger Debatte an. Stuckmann erzählt auch von erniedrigenden Umständen und teils schikanösen Behandlungen, die er in U-Haft durch das Personal der Justizvollzugsanstalt wie auch im JVA-Krankenhaus Wittlich erfuhr. Die Erinnerungen sind in bester deutscher Sprache verfasst - eben von einem langjährigen Leiter einer Journalistenschule.

 

Heinz D. Stuckmann: Verdammte Kommunisten. Die Bekenntnisse des IM »Dietrich«. Kai Homilius Verlag, Berlin. 309 S., geb., 19,90€.