Eine Freud´sche Fehlleistung des Dr. Hubertus Knabe

Die Bezeichnung Fehlleistung wurde lt. Wikipedia durch Sigmund Freud geprägt und steht in dessen Psychoanalyse für unbeabsichtigte Handlungen und sprachliche Äußerungen, die gemeinhin als Versprecher, „Verhören“, oder „Versehen“ bezeichnet werden, die aber, so Freud, auf einer unbewussten Ebene durchaus Sinn ergeben.

Eine solche Fehlleistung passierte Hubertus Knabe in einem Artikel zum Ableben von Werner Großmann und Dr. Wolfgang Schwanitz in der „Berliner Morgenpost“ – online-Ausgabe vom 06.02.2022. Erwartungsgemäß tönte er dabei u.a.: „Statt Dank oder Reue zu zeigen, begannen Großmann und Schwanitz nun einen langjährigen Rechtfertigungskampf. Als Zentrum fungierte dabei die Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung (GRH), eine Art Rote Hilfe für ehemalige Stasi-Mitarbeiter. Im Bündnis mit anderen trat der bis heute existierende Verein durch die öffentliche Leugnung der Stasi-Verbrechen hervor.“

Verbrechen sind sowohl im Strafgesetzbuch der DDR als in dem heute gültigen deutschen Strafgesetzbuch als rechtswidrige Handlungen beschrieben, die mit Freiheitsstrafen geahndet werden.

Was bedeutet es nun, wenn Herr Knabe Wolfgang Schwanitz im gleichen Artikel zum Vorwurf macht: Dass von den 92.000 hauptamtlichen Mitarbeitern nur zwei ins Gefängnis mussten, diente ihm später als Beleg, dass sich sein Dienst nichts hätte zuschulden kommen lassen.“  Vermutlich unbewusst und unbeabsichtigt bestätigt Hubertus Knabe damit, dass im Ergebnis von ca. 30.000 Ermittlungsverfahren, die gegen hauptamtliche Mitarbeiter des MfS nach 1990 eingeleitet wurden, nur zwei Mitarbeiter zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Amtliche Angaben waren dazu bisher nicht zu erhalten, da diese den „Opfern nicht zuzumuten“ waren.

Die spannende Frage, welche „Stasi-Verbrechen“ geleugnet werden, bleibt weiter unbeantwortet.  Im gleichen Artikel erwähnt Hubertus Knabe immerhin, dass "das Bundesverfassungsgericht entschieden hatte, dass die Tätigkeit für die Stasi keine Straftat gewesen sei."

Hubertus Knabe selbst ist kein Opfer von Stasi-Verbrechen und hat das meiner Kenntnis nach auch nie behauptet. Mit Zustimmung des MfS wurde seiner Freundin die Ausreise in die BRD gewährt. Bei Recherchen zu seinen Publikationen über die kirchlichen Friedens- und Umweltgruppen in der DDR wurde er von einem IM des MfS, der ihm Kontakte zu kirchlichen Stellen und Gruppen vermittelte, tatkräftig unterstützt. Die Ergebnisse seiner Recherchen wurden vom MfS mit großem Interesse ausgewertet, bestätigten aber zumeist nur das, was das MfS ohnehin schon wusste.

W.S.

06.02.2022