junge Welt

11.03.2006 /Thema /Seite 10

Alarm in Gehlens Klo

Wie der BND aus Wehrmacht und SS erstand, und was die ARD fr uns daraus macht

Von Otto Khler

Da es sich nun aber tatschlich begeben soll, da der Bundestag doch noch einen BND-Untersuchungsausschu einsetzt, wie erfreulich war dieser Einfall der ARD: Sie begann am Montag damit, in zwei NDR-Dokumentationen den Bundesnachrichtendienst und seinen Grnder Reinhard Gehlen zu beleuchten. Bis in den allerletzten Winkel, NDR-Ankndigung: Zum ersten Mal sind jetzt im Fernsehen Bild- und Tonmaterial aus dem Privatarchiv Gehlens zu sehen. Das ist genau das, was wir in der gegenwrtigen Situation brauchen, um den Bundesnachrichtendienst und seine Aktivitten gerecht zu beurteilen.

Der Film sagte es auch: Zum ersten Mal sprechen Christoph und Dorothee Gehlen ber ihr Leben an der Seite ihres legendren Vaters. Die Familie Gehlen hat exklusiv ihr Privatarchiv geffnet, die vom Geheimdienstgeneral selbst gedrehten Superachtfilme zeigen sein bisher unbekanntes Privat- und Familienleben.

Doch Gehlen war immer im Dienst. Sohn Christoph zeigt das husliche Telefon, das auch am Sonntag lutete. Und da gibt es fr die ARD noch so vieles aufzuklren. Das Erste macht nun endlich - erstmals - dem Zustand ein Ende, den Gehlens Tochter im Film beklagt: Auch jetzt ist das so, da viele Leute berhaupt nicht wissen, da ich mit Reinhard Gehlen zu tun habe.

Angesichts solch einmaliger Quellenlage konnte man getrost ber die umfangreiche Literatur hinweggehen, die es von und zu Gehlen und seiner Organisation gibt. ber die Judenvernichtung im Osten, sagt Tochter Dorothee der ARD, also da hat er relativ kaum etwas gewut. Aber: Er hatte den Weitblick, Deutschland an das westliche Bndnis anzuschlieen, und ich denke, er hat, in der Zeit, wo es auch wirklich so war, die Gefahr der kommunistischen Ideologie gesehen, sagt die Tochter erstmals im Ersten, und das mag gengen.

Ja, doch der Handel den Hitlers Spionagegeneral, der Chef von Fremde Heere Ost, im Mai 1945 den USA vorschlug, er wurde nur knapp angetippt. Was er bedeutete, blieb ausgeblendet.

Ein Chef mit Augenma

Oberst Reinhard Gehlen war im April 1942 im Alter von vierzig Jahren zum Leiter der Abteilung Fremde Heere Ost ernannt worden, die er schnell zu einem bedeutenden deutschen Spionagezentrum gegen die Sowjetunion ausbaute. Hitler befrderte Gehlen noch im Dezember 1944 zum Generalmajor. Gehlen wiederum lobte in seinem Memoirenband Der Dienst von 1971 das auenpolitische wie psychologische Gespr Hitlers in den ersten Jahren seiner Regierung und bezeichnete es als treffsicher, tadelte aber dessen fehlendes Augenma auf militrischem Gebiet dafr, ob das Wnschenswerte auch zu verwirklichen war. Gehlen zeigte Augenma. Als sich die deutsche Niederlage abzeichnete, wollte er weiterarbeiten. Er beschlo, so aussichtslos und widersinnig dies im Frhjahr 1945 auch erschien, da der Versuch gemacht werden msse - wenn mglich ohne wesentliche Unterbrechung -, den Kern fr einen neuen deutschen Nachrichtendienst zu schaffen.

 

Und da er Wert legte auf einen gewissen legalen Hintergrund fr unsere Zukunftsplne, holte er gleich nach Kriegsende, im Mai 1945, die Genehmigung des Hitlernachfolgers Karl Dnitz ein. Dnitz und sein Vorgnger Hitler allerdings wuten mutmalich nichts davon, da Gehlen schon seit Mrz 1945 das gesamte Geheimdienstmaterial ber die Sowjetunion auf Mikrofilm kopieren, und auf einsamen Almwiesen in den Alpen vergraben lie.

Zwei Tage vor Hitlers Tod, am 28. April 1945, erstieg General Gehlen selbst die Berge - nicht ohne Bedenken: Der nchterne und zweifelnde Verstand sagte mir, whrend ich mhsam meinen Weg suchte, da unser Unterfangen eigentlich recht utopisch sei.

Doch er war auf dem richtigen Weg: Ich war schlielich wie erlst, als der Wald aufhrte. Eine sanft ansteigende Schneelandschaft tat sich auf, in deren Mitte eine Htte lag: die Elendsalm.

Whrend Deutschland, whrend Europa - nicht ohne seine Mitwirkung - in Trmmern lag, frohlockte der deutsche General auf der Elendsalm, die nur so hie: Hier fand ich die Kameraden und Mitarbeiter ... versammelt, die mich freudig begrten: sechs Offiziere und drei Stabshelferinnen.

Sie erlebten alle zusammen eine Idylle - wie der General spter schriftlich besttigte: Diese Tage des Lebens in der freien Natur waren wirklich bezaubernd. Wir hatten uns daran gewhnt, uns sehr ruhig zu verhalten; so schrften sich die Sinne fr die Gerusche in der Natur. Gehlen weiter: Wenn nicht die Ungewiheit der Zukunft auf uns gelastet htte, so wre dieser Gebirgsaufenthalt ein schner, vielfach anregender Urlaub gewesen, nicht zuletzt durch die Gesprche, die wir - in der Sonne sitzend - miteinander fhrten.

Es war das Krftesammeln vor neuen Taten:

Wir genossen diese letzten Tage in der Freiheit ... intensiv; unsere besondere Freude waren Gemsen, die wir in diesem Gebiet auf Schritt und Tritt trafen und die alle Scheu vor uns verloren hatten.

Doch dann stieg man hinab ins Tal. Der dreiwchige Almurlaub zwischen dem Heien alten und dem neuen Kalten Krieg, den der deutsche General kunstgerecht anzuheizen gedachte, war zu Ende.

Beinahe noch htten unterwegs franzsische Soldaten den General und die Seinen gefat, die Utopie wre gescheitert, es htte nie eine Organisation Gehlen und damit auch keinen Bundesnachrichtendienst gegeben, der unser Land in den Stand einer Aufklrung versetzte - nachrichtendienstlich, doch da erreichten sie doch noch sicher die Linien der US-Army. Gewi, auch dort war der Empfang zunchst khl, die Gls kannten den bedeutenden General Reinhard Gehlen noch nicht. Auf der einen Seite empfand ich eine Art von Galgenhumor, da ich - immerhin Generalmajor in einer wesentlichen Stellung whrend des Krieges - mich nunmehr einem jungen amerikanischen Oberleutnant ausliefern mute. Andererseits gab es kein Zurck.

Neue Allianzen

Der Ortskommandant sprach kein Deutsch und Gehlen und seine Leute kein Englisch. Ein General und vier

Generalstabsoffiziere - welchen >Fang< er gemacht hatte, konnten wir ihm nicht auseinandersetzen.

Doch dann endlich stie der Deutsche auf Captain John Boker, zwar nur Hauptmann, aber er, so Gehlen, entsprach in seiner Haltung und in seinem Auftreten unseren deutschen Vorstellungen ber den Offizier schlechthin.

Und tatschlich flo auch, wie der General spter erfuhr, deutsches Blut in Bokers amerikanischen Adern.* Damit war die Nachkriegsordnung erreicht. Boker schleuste Gehlen weiter an die richtigen Stellen, der General wurde mit seinen Almgenossen in die USA geflogen. Und die Amerikaner rekrutierten den Spionagechef ihres Feindes zu Auftrgen gegen den eigenen Verbndeten, die UdSSR. Zu verlockend schien, was er zu bieten hatte: ein ganzes Netz von Spionen hinter den sowjetischen Grenzen und Zehntausende von Vernehmungsprotokollen sowjetischer Kriegsgefangener. Da an Gehlens Papieren Blut klebte, da die Kriegsgefangenen, die er hatte verhren lassen, gefoltert, ermordet oder dem Hungertod in den Lagern ausgeliefert worden waren, strte nicht.

In den USA einigte man sich in monatelangen Verhandlungen, und am 1. Juli 1946 kam Reinhard Gehlen zurck nach Deutschland. Die Organisation Gehlen - wie sie genannt wurde - nahm ihren Dienst auf, untergebracht in Pullach bei Mnchen in einem ehemaligen Ausbildungszentrum der SS.

Was dies fr uns, fr die USA, fr die ganze Welt bedeutete, blieb im ARD-Film ungesagt; wo man - exklusiv -die schnen Amateurfilme aus dem Familienleben des Spionagegenerals vorzeigen konnte, lt sich auf historische Hintergrnde gut verzichten.

Gehlen mute sein Geld verdienen, indem er eine Bedrohung schuf, vor der wir Angst hatten, so da wir ihm weiteres Geld gaben, damit er uns mehr darber erzhlte. Das erklrte der ehemalige CIA-Chefauswerter Victor Marchetti 1984, und er fuhr fort: Meiner Ansicht nach lieferte die Organisation Gehlen nichts, das zum Verstndnis oder zur richtigen Einschtzung des politischen und militrischen Potentials in Osteuropa oder sonstwo beitrug. Statt dessen wurde jetzt behauptet, da die Sowjets in der Lage wren, in Europa, im Nahen und im Fernen Osten gleichzeitig groe Offensiven zu starten.

Mit Gehlen zogen die USA in den Kalten Krieg. Arthur Macy Cox, Auswerter bei der CIA und im US-Auenministerium: Die Organisation Gehlen war die einzige Gruppierung, die ber Netze in Osteuropa verfgte, und deshalb haben wir sie angeheuert. Doch da wir Gehlen angeworben haben, war der grte Fehler, den die USA je begangen haben. Unsere Verbndeten warfen uns vor: Ihr stellt Nazis auf der obersten Ebene eures Geheimdienstes ein, und sie hatten damit recht. Dadurch wurden die Vereinigten Staaten unglaubwrdig.

Das strte nicht. Er steht auf unserer Seite, und nur darauf kommt es an. So stellte sich CIA-Chef Allen Dulles hinter Gehlen.

Und Park Armstrong, der Geheimdienstchef im Auenministerium, erkannte: Die Beitrge unseres deutschen Verbndeten zu unserem Wissen ber das sowjetische Militr waren zeitweise der Mastab fr unsere Anstrengungen.

Der Selbsterhaltungseinfall hatte funktioniert. Und Gehlen mute sogar den Betrieb ausweiten, seine alten Kameraden von Fremde Heere Ost, die ja alle hocherfahren im Umgang mit dem Kommunismus waren, reichten nicht mehr aus. Er brauchte noch mehr Fachleute.

Und diese neuen Mitarbeiter kamen aus dem Reichssicherheitshauptamt. Emil Augsburg, zuvor SS-Standartenfhrer und SS-Oberfhrer Franz Alfred Six, beide Leiter von mobilen Mordkommandos im Osten, widmeten sich jetzt bei Gehlen den Ostemigranten. Und sie brachten ihre alten Leute mit. Andere frhere SS-Gren waren auch dabei: Obersturmfhrer Hans Sommer, der sieben Pariser Synagogen hatte in Brand stecken lassen, Standartenfhrer Willy Krichbaum, oberster Gestapochef in Sdosteuropa, Sturmbannfhrer Fritz Schmidt, Gestapochef von Kiel, sie alle fanden sich - natrlich im Gesamtinteresse des Westens - auf verantwortlichen Posten in der Organisation Gehlen wieder.

Und von da agierte er dann auch in aller Welt. In Sdafrika untersttzte er das Regime der Apartheid, in Mocambique die Terroristen von Renamo. Und Saddam Hussein hatte seine Folterknechte beim BND ausbilden lassen, lange bevor der BND die Koordinaten des Bagdader Geheimdienstquartiers der US-Army bermittelte zwecks geflliger Bombardierung. Fr die Ausbildung sorgte ausgerechnet der sptere Bundesauenminister Klaus Kinkel als zeitweiliger Prsident des BND.

Aus dem Privatleben

Der Anteil von erfahrenen Massenmrdern an der Organisation Gehlen wre brigens im Verborgenen geblieben, wenn nicht Historiker in den USA Zugang zu den einschlgigen Akten gefunden htten aufgrund des Freedom of Information Act - fr uns ein Fremdwort. Whrend die Stasi-Akten im Osten frei zugnglich sind, haben wir im Westen nicht einmal die Mglichkeit, BND-Akten einzusehen, die die sonst bliche Sperrfrist von dreiig Jahren berschreiten.

Einmal schrammt der ARD-Film hart an die Wahrheit heran, als er dem kanadischen Historiker Timothy Naftali ein - allzu knappes - Statement erlaubte. Naftali konnte bisher als geheim eingestuftes CIA-Aktenmaterial einsehen. Die Akten zeigen, sagte er, da viele ehemalige Nazis fr die von der CIA finanzierte Organisation arbeiteten. Mindestens 100 Mitglieder der SS seien fr Gehlen ttig gewesen.

Wer? Einfache Mitglieder? Hchstrangige Massenmrder? Der ARD-Film gibt keine Antwort, er hat an dieser Stelle Wichtigeres zu beschreiben, erfhrt unmittelbar nach Naftali fort: Obwohl einige US-Geheimdienstler davon wissen, lassen sie Gehlen gewhren. 1949 kauft er fr sich und seine Familie am Starnberger See ein Haus und lt eine Alarmanlage einbauen. Der sachkundige Sohn klrt die ARD-Zuschauer auf: Also hier diese Fenster auenrundherum waren alle mit ffnungskontakten an die Alarmanlage angeschlossen. Probleme ergaben sich hier bei diesen kleinen Fenstern, weil hier eine Speisekammer war, die immer kalt sein sollte. Und hier war eine Toilette, wo nachts Blumen drin stehen, auch unbedingt kalt, und dafr wurden die Tren innen gesichert. Die Tr von der Speisekammer war natrlich ein besonderer Problem, wenn jemand nachts noch mal etwas aus dem Khlschrank holte, ging natrlich die Alarmanlage los, alle schssen aus dem Bett, und es war wieder einmal Fehlalarm gewesen.

Sagt Christoph Gehlen erstmals im Deutschen Fernsehen. Und dazu exklusiv fr die ARD-Zuschauer im Deutschen Fernsehen: Vater Gehlen im gestreiften Morgenmantel durch den Garten hpfend.

Der kurz zitierte kanadische Historiker Naftali htte Namen nennen knnen von SS- und SD-Leuten, die in aller Welt im Dienst der Organisation Gehlen und dann des BND standen. Aber darauf verzichtete der ARD-Film zugunsten der von Gehlens Kindern bereitwillig zur Verfgung gestellten Amateurfilme aus dem Privatleben des BND-Grnders, aus Vaters Klo und Speisekammer.

Vor einiger Zeit standen Esther Schapira und Georg M. Hafner von der ARD in Frankfurt vor sorgfltig abgedichteten Archiven in Pullach. Sie waren Alois Brunner auf der Spur, dem ehemaligen SS-Sturmbannfhrer und Stellvertreter von Adolf Eichmann.

Gehlen hatte den bewhrten Massenmrder, der auch ungezhlte Kinder in den Tod schickte, unter dem Decknamen Georg Fischer als Residenten in Damaskus in seinen Dienst genommen. Wie so viele Ttungsspezialisten aus der SS, deren klarer Antisemitismus der Organisation Gehlen im Nahen Osten Tr und Tor ffnete. Brunner hat in Syrien auch Folterspezialisten ausgebildet zum Nutzen Deutschlands und des BND. Jetzt konnte unser demokratisch kontrollierter Bundesnachrichtendienst die Frchte aus Brunners Saat ernten. Der syrische Geheimdienst stellte Folteropfer bereit, damit sie von eigens eingeflogenen BND-Beamten verhrt werden konnten. Aber Brunners Akten beim BND sind nicht aus Rosenholz, sie blieben der ARD fest verschlossen. Denn die SS war die Vorschule der Organisation Gehlen. Und die wurde die Vorschule des BND.

Ntzliche Scharfmacher

Am 5. Mrz 1948 telegrafierte der Militrgouverneur Lucius D. Clay nach Washington: In den letzten Wochen habe ich eine unmerkliche Vernderung der sowjetischen Haltung gesprt, die mir jetzt das Gefhl gibt, da der Krieg mit dramatischer Pltzlichkeit ausbrechen knnte. Das Gefhl stammte von Hitlers General. Gehlen behauptete, da 175 voll ausgerstete Divisionen der Roten Armee in der Sowjetzone ungeduldig darauf warteten, bis zum Atlantik vorzustoen.

Geheimdienstforscher Christopher Simpson, dessen grundlegende Studie aus US-Aktenmaterial Der amerikanische Bumerang - NS-Kriegsverbrecher im Sold der USA 1988 gleich nach ihrem Erscheinen in den USA nicht in der westdeutschen Bundesrepublik, wohl aber im sterreichischen Ueberreuter Verlag erschien, vermerkt in seinem umfangreichen Genien-Kapitel: Die frheren Einschtzungen der US Army bezglich der Transport- und Nachschubprobleme der Roten Armee verschwanden aus den geheimen Beurteilungen des sowjetischen Potentials. Statt dessen wurde jetzt behauptet, da die Sowjets in der Lage wren, in Europa, im Nahen und im fernen Osten gleichzeitig groe Offensiven zu starten.

Gehlens Zahlen waren falsch, aber sie waren ntzlich. Ntzlich fr die Krfte in den USA, die auf Kalten Krieg und eine Vernderung der Fronten setzten. Und ntzlich fr Gehlen selbst: er machte sich und seine Organisation unentbehrlich. Die Berichte des eigenen Geheimdienstes der US-Army waren pltzlich bedeutungslos. Keiner fragte mehr, warum die Sowjets ein Drittel des ostdeutschen Schienennetzes, darunter strategisch wichtige Strecken, demontiert hatten, wenn sie doch einen Blitzkrieg gegen den Westen planten.

Kaffeeplausch mit Frey

Jetzt machte der von Gehlen gegrndete Bundesnachrichtendienst aus Deutschland, dessen Regierung sich im Wahlkampf 2002 eindeutig zum Frieden bekannte, einen heimlichen Kombattanten der USA im Krieg gegen Irak. Damals trieb Gehlen mit seiner frisch von den Nazis bergewechselten Organisation durch seine Erfindung von 175 Sowjet-Divisionen, die zum Angriff bereitstnden, die USA tief in den Kalten Krieg. Das mu heute wissen, wer ergrnden will, woher der Bundesnachrichtendienst kommt und wohin er uns mit seiner anscheinend geduldeten, wenn nicht gefrderten Sabotage der offiziellen Friedenspolitik treiben kann.

Doch der ARD-Film vom Montag wute Wichtigeres.

Am Ende seines Lebens hat er einen zufriedenen Eindruck gemacht, sagt die Tochter des Hitler-Generals -zum ersten Mal exklusiv in der ARD.

Er hat uns viele Werte einfach vorgelebt, vorgelebt das ist besonders wichtig, weil sagen kann man viel, aber vorleben, daran kann man sich orientieren, sagt der Sohn - zum ersten Mal exklusiv in der ARD.

Als Gehlen 1979 gestorben war, verffentlichte die rechtsextremistische Deutsche Nationalzeitung nun ihrerseits exklusiv und zum ersten Mal einen Briefwechsel unter Freunden: Reinhard Gehlen schrieb Gerhard Frey, dem Fhrer der neonazistischen DVU, der Deutschen Volksunion:

Ihr Artikel ber die gegen mich laufenden Angriffe hat gut getan. Gehlen versprach: Ich werde mich, sobald es geht, wieder melden. Gehlen berichtete: Wir haben diesen Geburtstag ... gemtlich im kleinen Familienkreis gefeiert, im Beisein von sieben unserer neun Enkel. Und endete: Mit herzlichen Gren und Empfehlungen an Ihre Frau, auch von der meinigen, Ihr Reinhard Gehlen.

Das allerdings fehlt dem Exklusivfilm der ARD, der so vieles zum ersten Mal anzubieten vermag. Gab es keine Privataufnahmen vom gemtlichen Kaffeeplausch zwischen dem Neonazifhrer und dem Chef des Bundesnachrichtendienstes samt Familien?

Nach Gehlens Tod, behaupten die Autoren des ARD-Filmes, htte sich der BND gendert, von einem - wie sie formulieren - patriarchalisch gefhrten zu einem demokratisch kontrollierten Nachrichtendienst.

Doch der BND hat, wie schon sein pensionierter Patriarch 1975 in einem Rundfunkinterview verriet, zu viele Journalisten und Redaktionsleiter in der Tasche, Gehlen: Es sind viele Journalisten interessiert worden fr den BND, um public relations zu machen und falsche Vorstellungen zu beseitigen...

* The Gehlen Memoirs. London 1972 (erweiterte bersetzung von Gehlen 71) S. 20