junge Welt vom 06.01.2006

Mit ganzem Herzen dabei

Generalleutnant Horst Jnicke im Alter von fast 83 Jahren gestorben

Peter Wolter

Euer Dienst ist die Aufklrung, Namen bleiben geheim ... heit es in einem Lied des DDR-Oktoberklubs ber die sozialistische Auslandsaufklrung. Auch den Namen Horst Jnicke kannten nur wenige auerhalb des Ministeriums fr Staatssicherheit (MfS), dem er als einer der ersten Mitarbeiter der Hauptverwaltung Aufklrung (HVA) seit 1952 angehrte. Der Generalleutnant und ehemalige stellvertretende HVA-Chef starb kurz nach seiner Ehefrau Marianne am 1. Januar, nur drei Tage vor seinem 83. Geburtstag.

Jnicke hatte eine typische DDR-Karriere durchlaufen. Er war Bcker von Beruf, wurde von der faschistischen Wehrmacht vier Jahre lang in den Krieg geschickt und zog sich in Italien eine schwere Verwundung zu. Kaum aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen, wurde er 1949 Lehrer und Leiter einer Kreisparteischule der SED. In der HVA war er lange Zeit verantwortlich fr die Lnder der sogenannten Dritten Welt - insbesondere untersttzte er thiopien, Mocambique und Angola, alles junge Staaten, die versuchten, sich vom schweren Erbe des Kolonialismus zu befreien. Jnicke war es auch, der 1973 nach dem faschistischen Putsch des Generals Augusto Pinochet von Berlin aus die Geheimdienstoperation leitete, mit der verfolgte Chilenen in Sicherheit gebracht wurden.

Wer ihn kannte, war nicht nur von seiner natrlichen Autoritt, sondern auch von seiner Liebenswrdigkeit, Zurckhaltung und Intelligenz beeindruckt. Trotz des hohen Dienstgrades, trotz seiner engsten Kontakte zur Partei- und Regierungsspitze lebte er Zeit seines Lebens in einfachen Verhltnissen. Seine Mitarbeiter konnten jederzeit auf seine Untersttzung zhlen, auch in privaten Dingen. Besonders verbunden war er den Kundschaftern, die an der unsichtbaren Front fr den Schutz des Sozialismus arbeiteten. Er war schon General, als er konspirativ durch Nordafrika reiste, um einen von der Verhaftung bedrohten Kundschafter, der irgendwo am Mittelmeer Urlaub machte, hchstpersnlich zu warnen.

Es lag ihm darber hinaus sehr am Herzen, die Erinnerung an die von den deutschen Faschisten hingerichteten Kundschafter der Roten Kapelle zu bewahren: Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack, Hans Coppi und andere. Deren Bronzeskulpturen standen vor dem Haupteingang der Juristischen Hochschule der HVA in Gosen, nach dem Anschlu der DDR verschwanden sie im Keller. Bis kurz vor seinem Tod setzte er sich dafr ein, diese Kunstwerke wieder ffentlich auszustellen.

Horst Jnicke war ein Arbeitergeneral; ein Kommunist, der mit ganzem Herzen und groer Einfhlsamkeit fr den Schutz des Sozialismus arbeitete. Nicht umsonst war er Trger hchster Auszeichnungen: Vaterlndischer Verdienstorden in Gold, Scharnhorst-Orden und Groer Stern der Vlkerfreundschaft in Gold.

Die Beisetzung findet am 17. Januar um 12 Uhr auf dem Friedhof in Berlin-Biesdorf statt.

 

Ren Heilig: Ein HVA-Mann, geehrt als Fluchthelfer (Zum Tod von Horst Jnicke)