Sendung vom 29.01.04/Oberhof

  

Sehr geehrte Damen und Herren,

bisher habe ich Monitor als eine der letzten Bastionen von unabhängigem und kritischem Journalismus angesehen, mit einer Alibi-Funktion, wenn auch vom besten Sendeplatz verbannt.

Die o.g. Sendung war unter ihrem Niveau. Wie sie das unsägliche Täter-Opfer-Schema zelebrieren, war schon echt peinlich. Hatte die DDR überhaupt ein legitimes Recht, bei der Förderung von Spitzensportlern auch darauf zu achten, dass diese bei ihren Einsätzen im Ausland ihrer Mannschaft und der DDR nicht den Rücken kehren? Hatten Trainer hierbei eine Verantwortung? Ging es nicht auch hierbei um Teamgeist und Verrat? Gab es einen Anspruch, vielleicht sogar ein Menschenrecht auf eine Förderung als Spitzensportler, wo heute Millionen Menschen noch nicht einmal einen Anspruch auf einen Arbeitsplatz haben? Konnten bei der Einschätzung von Menschen auch Fehler unterlaufen?

Damit soll keineswegs negiert werden, dass die damalige Entscheidung für Andreas Hesse tragisch, vielleicht sogar unbegründet war. Sie wurde aber mit Sicherheit nicht böswillig, sondern in Abwägung von Risiken für den DDR-Sport getroffen.

Sie müssen diesen Einwänden nicht folgen. Doch 14 Jahre einheitliches Deutschland, 14 Jahre, in denen selbst mittelschwere Straftaten verjährt sind, sind eine zu lange Zeit, um heute Rechnungen zu begleichen, bei denen niemand mehr gewinnen kann.

Das Stasi-Thema hat  als Totschlag-Argument seine Wirkung verloren. Allzu oft wurde es instrumentalisiert. Und so ist zu fragen, ob es eigentlich um etwas ganz anderes geht, z.B. die Ausschaltung Oberhofs als Konkurrenz-Standort, die Ersetzung eines Ost-Trainers durch einen drittklassigen Wessi, das durch ständige Verlängerung von Antragsfristen animierte Absahnen lukrativer "Opfer"-Entschädigungen oder persönliche Rache. Vor allem aber geht es wohl um den Auftrag einer Ideologie-Behörde, die die DDR als Spitzel-Staat in den Orkus der Geschichte befördern und jede positive Erinnerung an diesen Staat auslöschen soll. Das scheint wohl auch dringend nötig, können sich doch Menschen in der DDR - um bei Ihrer Sendung zu bleiben - durchaus noch daran erinnern, dass hier Typen wie Leo Kirch keine Chance hatten und dass es in der im Vergleich zur Alt-BRD um vieles ärmeren DDR keine Armuts-Prostitution gegeben hat.

Solange Sie nicht begreifen, warum Menschen in der DDR stolz auf einen aus ihrer Heimat stammenden Trainer sind, der Biathletinnen zu Weltruhm geführt hat, wird sich die Einheit Deutschlands nicht vollenden können.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Schmidt