jungeWelt

20.11.2007 / Abgeschrieben / Seite 8

Etwas Kalter Krieg

Verschiedene deutsche Medien nahmen die Tagung der Universitt Odense am Wochenende zum Anla, etwas Kalten Krieg zu veranstalten:

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Sie bereuen nichts. Im Gegenteil. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft trafen sich am Wochenende 60 ehemalige Stasi-Leute zu einer Tagung - im dnischen Odense. Vllig ungefiltert konnten die Exspione ihre Machenschaften als erfolgreiche Arbeit zur Friedenssicherung verteidigen. (...) Haarstrubend die uerungen des einstigen Stasi-Topspions Rainer Rupp, der die HVA bis 1990 mit NATO-Geheimnissen aus Brssel beliefert hatte. Er schilderte sich als Friedensbewahrer und behauptete, da westliche Geheimdienste ganz aktuell weiter foltern, morden und putschen.

Sddeutsche Zeitung:

Rund 100 ehemalige Spione und Agentenfhrer haben sich am Wochenende in der Universitt im dnischen Odense getroffen. Mit zwei Bussen waren sie aus Berlin gekommen, eine Art Brigadeausflug aus der ehemaligen Stasi-Zentrale: Mnner auf Krcken, im korrekten Anzug, in Gesundheitsschuhen. Die Forscher, die sich hier mit dem Kalten Krieg befassen, hatten gehofft, mehr zu erfahren aus der konkreten Arbeit der Agenten - und das erfahren sie auch.

Rainer Rupp, der Spion der Stasi bei der NATO, darf erzhlen, wie er quasi im Alleingang den dritten Weltkrieg verhindert hat - weil er whrend eines NATO-Manvers 1983 jede einzelne Unterlage aus dem Nato-Hauptquartier sofort an Ostberlin weiterleitete. Dadurch seien die nervsen Russen beruhigt worden und der Atomkrieg verhindert. Das Oberlandesgericht Dsseldorf sah die Verdienste des Mannes etwas anders. Es verurteilte ihn wegen Landesverrats zu zwlf Jahren Haft.

Berliner Zeitung:

Richtig unruhig werden die Geheimdienstler, als eine ihrer Ikonen kritisiert wird. Rainer Rupp, der unter dem Decknamen Topas als der wohl wichtigste Spion der HVA im Nervenzentrum der NATO in Brssel sa, hat gerade geschildert, wie er dem Osten jahrelang Material ber das westliche Militrbndnis verschaffte, so da der Warschauer Pakt stets darauf reagieren konnte. Da fragt ein britischer Historiker, ob Rupp damit nicht zum Handlanger von CIA und BND geworden sei, weil er mit seinen Informationen ja dazu beigetragen habe, den Osten in einen ruinsen Rstungswettlauf zu treiben. Rainer Rupp und sein Fhrungsoffizier Karl Rehbaum sind jetzt kurz sprachlos. Dann sagt Rupp, da er dazu nichts sagt. Und Rehbaum erinnert daran, da man den Frieden erhalten habe. Eine Frage wie die des britischen Historikers rhrt am Selbstverstndnis der HVA-Mnner. Sie heit letztlich nichts anderes als: Was hat die Arbeit des Auslandsgeheimdienstes eigentlich bewirkt? Die DDR gibt es nicht mehr, das politische System, das die Agenten aufgebaut und gesttzt haben, ist zusammengebrochen. Den Kalten Krieg haben sie verloren. Darber will niemand von den alten Genossen reden. Die Fhrungsschicht der Stasi ist zu einer auch nur ansatzweise differenzierten Sicht auf die eigene Vergangenheit, auf Schuld und Versagen weder bereit noch fhig. Sie hlt fest an ihren Lebenslgen, jede kritische Meinung wird von ihr attackiert und zurckgewiesen.