Tageszeitung neues deutschland 22.11.2012

Anzeige zu Gedenken an Wachregiment

Massow (epd/dpa/nd). Ein privater Gedenkstein fr das Wachregiment Felix Dzierzinsky in Massow (Dahme-Spreewald) sorgt fr Aufregung. Der Direktor der Berliner Stasi-Gedenksttte Hohenschnhausen, Hubertus Knabe, stellte am Mittwoch Strafanzeige.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann sprach von einer unntigen Provokation fr die Opfer der SED. Sie verwies auf die zweifelhafte Vergangenheit des Wachregiments, das dem DDR-Ministerium fr Staatssicherheit unterstellt war. Zugleich mahnte Lehmann zur Besonnenheit: Wir sollten jetzt nicht der Versuchung erliegen, aus einem bedauerlichen Einzelfall neue Pauschalverurteilungen zu generieren. Die Brandenburger gingen sehr bewusst und verantwortlich mit der DDR-Geschichte um, sagte sie. CDU-Landtagsfraktionschef Dieter Dombrowski beschwerte sich in Briefen an den Chef und den Eigentmer der Hotel kette.

Die Leonardo-Hotels reagierten mit groer Bestrzung auf die Proteste. Sie veranlassten den Abtransport des Steins. Das Management bedauerte zutiefst und erklrte, dass der verantwortlichen Mitarbeiterin des Spreewaldhotels die Bedeutung der Inschrift Wachregiment F.E. Dzierzinski nicht bewusst gewesen sei. Die Unternehmensleitung sei in den Vorgang nicht einbezogen worden und habe die Verantwortliche bis zur vollstndigen Aufklrung von ihren Aufgaben entbunden. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, ein dunkles Kapitel der Zeitgeschichte zu banalisieren.

Die Inschrift auf dem 1,20 Meter hohen und 1,50 Meter breiten Stein soll von einem ehemaligen Offizier des Wachregiments in Auftrag gegeben worden sein. In dem Hotel befand sich frher eine Stabsstelle, die zum Truppenbungsplatz Teupitz gehrte.

Hubertus Knabe wies die Staatsanwaltschaft Potsdam darauf hin, dass sich die Regimentsangehrigen per Eid verpflichtet htten, die Feinde des Sozialismus auch unter Einsatz ihres Lebens zu bekmpfen. Das Wachregiment wurde geschaffen und systematisch ausgebaut, um Unruhen und Aufstnde gegen die kommunistische Herrschaft in der DDR zu bekmpfen, sagte Knabe. Der Namensgeber sei Grnder der sowjetischen Geheimpolizei gewesen, die allein 1918 und 1919 mehr als 1,7 Millionen Menschen ermordet habe. Der Gedenkstein verletze die Wrde und das Andenken der Opfer. Viele litten bis heute unter den psychischen und physischen Folgen ihrer Verfolgung durch die Stasi. Knabe forderte von der Staatsanwaltschaft, sie solle prfen, ob der Tatbestand der Volksverhetzung beziehungsweise der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener erfllt sei.

Tatsache ist, dass im Wachregiment keine geheimdienstliche, sondern eine militrische Ausbildung erfolgte. Die Mannschaften bestanden aus Wehrdienstleistenden. Selbst die Stasi-Unterlagenbehrde stuft den Dienst in dem Regiment nicht als gleichbedeutend mit einer hauptamtlichen Ttigkeit im Ministerium selbst ein.