Junge Welt

11.04.2008 / Sport / Seite 16

Keine Sorgen

Wie Sahra Wagenknecht einen k.o-Sieg landete

Klaus Huhn

Sie kam am Montag abend als Gast zur Talksendung Fakt ist... aus Brssel nach Erfurt, stieg dort gegen den schsischen Ex-Skandalminister Heinz Eggert, Super-lllu-Chefredakteur Jochen Wolff, die MfS-Spurensucherin Hildigund Neubert in den Ring und verlie ihn als k.o-Sieger. Wolff, der 30 Minuten sprachlos neben ihr stand, warf am nchsten Tag das Handtuch hinterher. Im Super-lllu-Stil: Wagenknecht sorgt fr TV-Skandal.

Sahra Wagenknecht hatte sich weder von den Gegnern vor der Kamera noch von den Moderatoren aus dem Tritt bringen lassen; sie keilte nicht um sich, sondern landete gelassen przise Haken. Ihr Start: Es ist unbestritten, da die DDR negative Seiten hatte, das Problem ist nur, da man nach 1989 versucht hat, die DDR ausschlielich auf ein Negativbild zu reduzieren. Das funktioniert zumindest bei den Leuten nicht, die die DDR erlebt haben, weil sie auch wissen, gerade in der Lebensrealitt heute, was es zum Beispiel wert war, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, sich keine Sorgen zu machen, ber explodierende Mieten und ber ein Gesundheitssystem, wo man damals eben nicht zehn Euro hinlegen mute, um den Arzt zu sehen. Und all die verschiedenen Facetten sind in der ffentlichen Debatte vllig ausgeblendet worden und es ist natrlich richtig und wichtig, da das endlich wieder thematisiert wird.

Eggert aufgebracht: Ich habe Leute sterben sehen im Krankenhaus, weil die keine Hftgelenke bekamen, sich durchgelegen hatten. Hildigund Neubert aufgeregt: Die Altersarmut in der DDR war eklatant. Die Alten sind auf den Straen rumgelaufen und viele haben in den Papierkrben gewhlt.

Da das Studiopublikum Sahra Wagenknecht Beifall gespendet hatte, erklrte Wolff so: Kein Wunder, denn neun der etwa 50 Gste hatte sie gleich selbst mitgebracht. Und gab auch noch zu: Der skandalse Auftritt der radikalen Kommunistin brachte dem MDR eine Rekordquote. 310000 Zuschauer sahen die Sendung - soviel wie noch nie. Was Wolff verschwieg: An der TED-Umfrage des MDR Hatte die DDR mehr gute oder schlechte Seiten? beteiligten sich 15000 Anrufer - 78,4 Prozent entschieden sich fr die guten Seiten.