junge Welt

08.05.2006 / Ansichten / Seite 6

Stasiopfer des Tages: Jrg Schnbohm

Stoppt das Treiben der Stasi-Kader titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Da hat Brandenburg nicht lange gefackelt und den ersten Schritt gemacht. Es traf Hans Rentmeister, den Generalsekretr des Internationalen Sachsenhausen-Komitees. Der war nicht unbedingt Kader der Staatssicherheit der DDR (MfS), aber er hat dort gearbeitet. Erst in der Kreisdienststelle Berlin-Lichtenberg, spter als Jurist an der Hochschule des MfS in Potsdam und dann bis zur Auflsung in der Zentrale.

Die auslsende Meldung im Spiegel kann nur als Retourkutsche fr Rentmeisters Auftritt bei einer Gedenkveranstaltung im KZ Sachsenhausen verstanden werden. Dort hatte der Antifaschist Brandenburgs Innenminister Jrg Schnbohm ffentlich zurechtgewiesen. Der wollte am Ort des faschistischen Terrors partout und ausdrcklich jenen gedenken, die dort nach 1945 von der sowjetischen Armee als Kriegsverbrecher interniert waren. Rentmeister nannte das Gedenken an die Mrder, Peiniger und Quler unserer Kameraden zuviel verlangt.

Whrend selbst in der SPD-Landtagsfraktion Rcktrittsforderungen gegen Schnbohm aufkamen, tat sich die die Stiftung Brandenburgische Gedenksttten schwer mit der Kritik. Anders im Fall Rentmeister. Am Samstag kndigte sie per Fax die Zusammenarbeit mit dem Antifaschisten, dessen Vater im KZ Sachsenhausen sa, auf. Die Mitteilung ber seine Arbeit fr das MfS war ihnen zuviel. Prompt setzte das antikommunistische Trommelfeuer nach: Der Leiter der Gedenksttte Hohenschnhausen in Berlin, Hubertus Knabe, fand, Rentmeister habe sich disqualifiziert, weiter fr die Hftlinge des KZ Sachsenhausen zu sprechen. Die brandenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche verstieg sich zu dem Satz: Jeden Demokraten macht es fassungslos, das Vermchtnis der NS-Opfer in solchen Hnden zu sehen. Und CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek meinte, fr die Opfer der Konzentrationslager msse es unertrglich sein, von einem frheren Stasi-Mitarbeiter reprsentiert zu werden. Wirklich unertrglich ist hingegen, da sich Knabe, Lunacek, Reiche & Co anmaen, im Namen ehemaliger Hftlinge zu sprechen, und Jrg Schnbohm als sptes Opfer der Stasi in Schutz genommen wird.

(wr)