100 Lügen – aber „Stasi“ geht immer!

Am 14. und 23.07.2021 berichtete die „Sächsische Zeitung“ unter den Titeln „Der Stasi-Mann mit den 100 Legenden“ bzw. „Der Stasi-Spitzel und die Angst der Opfer“ über einen Prozess gegen einen mehrfach einschlägig vorbestraften Betrüger und dessen neuerliche Verurteilung zu 5 Jahren und 3 Monaten Haft. Wie der Journalist und Erfinder der reißerischen Überschriften, Peter Anderson, in diesen Artikeln berichtete, dürfte bei den Zuhörern im Prozess der Eindruck entstanden sein, der Angeklagte könne selbst bei der eigenen Biografie nicht mehr zwischen Lügengespinst und Wahrheit unterscheiden. Angeklagt war der 61-jährige Henryk B. diesmal wegen mehrfachen Betrugs und des Missbrauchs der Berufsbezeichnung Anwalt. In Meißen hatte er versucht, sich eine stattliche Villa im Nobelviertel Plossen zu ergaunern, prellte dabei Handwerker, einen Notar und das Maklerbüro um ihre Honorare, in Hannover versuchte er sich einen teuren Mercedes zu erschleichen, vorher fiel noch eine Hochzeitsorganisation auf ihn herein, die für ihn und seine vierte Ehefrau eine Hochzeitsfeier für 60.000,- € auf die Beine stellen sollte.

In Widersprüche habe er sich auch verstrickt, wenn es um seine Biografie in der DDR ging. Nach POS und Berufsausbildung mit Abitur und zwei Jahren Grenztruppen sei er zur Staatssicherheit gewechselt. Bei vorherigen Aussagen zu seiner Vita war er wahlweise als Spezialist für den Grenzzaunbau tätig, auf „operativem Einsatz in Afrika, der Schweiz und Niederlande unterwegs oder dem Oberkommando der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland zugeordnet. Seine zweite Frau sei in der Schweiz „getötet“ worden, um ihn zur Preisgabe der Geheimnisse aus seiner Stasi-Tätigkeit zu erpressen usw. usf.

Dabei bringen die Steuerzahler seit 30 Jahren jährlich um die 100 Millionen € für eine Behörde auf, die jetzt dem Bundesarchiv zugeordnet aber deshalb keineswegs billiger geworden ist. Wenigstens die Zugehörigkeit zum MfS bzw. eine inoffizielle Mitarbeit könnte doch wenigstens hier nachgeprüft und brauchte aus durchsichtigen Gründen nicht einfach behauptet werden.

W.S.

29.07.2021