Aus dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Heft 5/2008, Seite 150

 

"Horst Männchen, 72. Dieser Stasi-Generalmajor empfand sich als „Soldat an einem besonderen Frontabschnitt“, gemeint war „der funkelektronische Kampf“: Männchen und seine zuletzt 2361 hauptberuflichen Mitarbeiter machten Tag und Nacht große Ohren. Sie hörten heimlich die Telefonate der Mächtigen im Westen und, sicherheitshalber, auch die der DDR-Bürger ab. Der Aufwand,

den die „Hauptabteilung III“ des Ministeriums für Staatssicherheit

dabei trieb, war gigantisch: Männchen, ein Ingenieur für Hochfrequenztechnik, ließ rund 100 000 Fernmeldeanschlüsse

im Westen permanent überwachen, das Bundeskabinett, Militärs,

Wirtschaftsmanager, Mätressen, Bischöfe und den SPIEGEL. Richtfunkstrecken, Satellitenverbindungen, selbst Glasfaserkabel

und Codiermaschinen waren den Lauschern ein offenes Buch.

Als die DDR 1989 implodierte, hinterließen Männchens geheime

Truppen Zehntausende Tonbänder. Ihr Inhalt, sagt ein ehemaliger Westgeheimdienstchef, war so schrecklich, dass sie ohne Auswertung sofort vernichtet wurden. In seinen alten Tagen überkam den armamputierten Cheflauscher Ost oft Resignation. Horst Männchen starb am 12. Januar in Berlin an Herzversagen."